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Droste Welten eröffnen

Leben und Werk der Poetin Annette von Droste-Hülshoff werden neu erschlossen.

Haus Rüschhaus

Dieses Jahr eröffnen die Droste Welten auf der Burg Hülshoff in Havixbeck und im Rüschhaus in Münster-Nienberge. Das Ausstellungsensemble erschließt die Lebens- und Schreibwelten der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848) an zwei historischen Originalorten neu. Erstmals steht damit in Deutschland eine Schriftstellerin im Zentrum einer dauerhaft angelegten, umfassenden Ausstellung. Das Haus Rüschhaus öffnet am 01. Juli 2026, die Ausstellung in der Burg Hülshoff folgt im Herbst 2026.

Literatur steht in engem Zusammenhang mit Alltag und Gegenwart. Texte können berühren oder treffen, irritieren oder zum Nachdenken anregen. Sie eröffnen Räume, in denen persönliche Erfahrungen ebenso verhandelt werden wie gesellschaftliche Ordnungen. Die Droste Welten greifen diesen Gedanken auf und zeigen, unter welchen sozialen und materiellen Bedingungen Annette von Droste-Hülshoffs Texte entstanden sind und welche Fragen sie darin verhandelt haben. In ihren Texten beschäftigte sie sich mit gesellschaftlichen Rollenbildern, mit weiblicher Autorinnenschaft, mit Naturbeobachtung und mit der Selbstbehauptung unter sozialen und familiären Zwängen. Ihre literarische Arbeit verbindet genaue, oft wissenschaftlich geprägte Naturbeobachtung mit emotionaler Genauigkeit und kritischer Distanz gegenüber gesellschaftlichen Normen. Leben und Werk stehen dabei in engem Zusammenhang.

Mit dem Rüschhaus und der Burg Hülshoff werden zwei sehr unterschiedliche, aber eng miteinander verbundene Lebensorte der Autorin erschlossen. In den denkmalgeschützten Häusern vereinen sich historisches Mobiliar und persönliche Gegenstände, Texte Annette von Droste-Hülshoffs sowie ihre Sammlungen aus Kunst und Naturwissenschaft mit Texten und Arbeiten zeitgenössischer Autor:innen und Künstler:innen. Beiträge unter anderem von Mithu Sanyal, Dorothee Elmiger, Michaela Melián, Yōko Tawada und Max Czollek nehmen zentrale Motive auf und führen sie weiter. Als Schirmfrau der Droste Welten begleitet die Bestsellerautorin Cornelia Funke das Projekt. Sie sieht in Annette von Droste-Hülshoff eine der wichtigsten Stimmen der deutschen Literatur und eine Autorin von anhaltender Aktualität.

Das Rüschhaus öffnet am 01. Juli 2026 und widmet sich den Jahren, in denen Annette von Droste-Hülshoff hier lebte und arbeitete. Im Mittelpunkt stehen weibliches Schreiben, das Verhältnis von Literatur und Natur sowie gesellschaftliche Konventionen des 19. Jahrhunderts. Handschriften und Briefe der Dichterin werden in den restaurierten Räumen des Hauses gezeigt und mit zeitgenössischen Positionen in Beziehung gesetzt. Texte zur Ausstellung stammen unter anderem von Mithu Sanyal. Künstlerische Arbeiten, etwa eine eigens entwickelte Installation von Katrin Mayer zum Thema weibliches* Schreiben oder ein Beitrag von Dorothee Elmiger zu Die Judenbuche, eröffnen Einblicke in Annette von Droste- Hülshoffs Arbeitsweise und ihre literarischen Materialsammlungen.

Der historische Garten des Rüschhauses wird teilweise als Mitmachgarten umgestaltet. Besucher:innen können hier alte Obstsorten entdecken oder den Garten als Ort des Lesens und Verweilens nutzen. Mit dem Café Schneckenhäuschen, benannt nach Annette von Droste-Hülshoffs Bezeichnung für ihr Arbeitszimmer, entsteht zudem ein neuer Ort der Begegnung und der Rast, der historische Spuren aufgreift und zeitgenössisch interpretiert.

Die Ausstellung auf der Burg Hülshoff, die im Herbst 2026 eröffnet wird, widmet sich den frühen Lebensjahren Annette von Droste-Hülshoffs von 1797 bis 1826. Beleuchtet werden Herkunft, Familie und Bildung ebenso wie die gesellschaftlichen Ordnungen, in denen die Dichterin aufwuchs. Historische Exponate, darunter Porträts, Dokumente zur Familiengeschichte sowie Bücher, Schulmaterialien und naturwissenschaftliche Sammlungsobjekte, zeichnen ein Bild ihrer frühen Prägungen und Interessen. Naturstudien und Sammlungsobjekte verweisen dabei auf frühe Formen der wissenschaftlichen Beobachtung und Klassifizierung. Zeitgenössische künstlerische Arbeiten erweitern diese historischen Perspektiven. Michaela Melián befasst sich mit Autorinnen, deren Werke Annette von Droste-Hülshoff nachweislich gelesen hat. Max Czollek entwickelt eine interaktive Station zu "Die Judenbuche", und eine Videoarbeit von Tanasgol Sabbagh, Nazanin Noori und Etritanë Emini setzt sich mit rechter Gewalt nach 1945 auseinander.

In beiden Häusern werden die historischen Räume selbst zu Trägern der Erzählung und prägen die Ausstellungserfahrung. Besucher:innen bewegen sich durch originale Zimmer, begegnen Handschriften, Büchern und persönlichen Gegenständen und erleben, wie sich Schreiben in Räumen, Wegen und Landschaften eingeschrieben hat. Im Haus Rüschhaus lässt sich diese Erfahrung im Mitmachgarten fortsetzen, im Park der Burg Hülshoff im Gehen durch die Landschaft. Die Droste Welten eröffnen einen Zugang zu Annette von Droste- Hülshoff jenseits rein biografischer Erzählungen und machen Literatur als historisch verankerte, zugleich offene Praxis erfahrbar.

Über die Droste Welten

Die Droste Welten gehören zu Burg Hülshoff - Center for Literature (CfL), Programmbetrieb der gemeinnützigen Annette von Droste zu Hülshoff-Stiftung. Sie umfassen die Ausstellungen in der Burg Hülshoff und im Haus Rüschhaus, den Lyrikweg, der beide Orte verbindet, sowie die Angebote der Digitalen Burg. Das Projekt Droste-Welten wird von der Europäischen Union kofinanziert und von der LWL-Kulturstiftung im Rahmen des Programms Natur & Netze gefördert.

Aktuelles
  • Literatur-Eule 2026

    Die Neue Literarische Gesellschaft Recklinghausen schreibt ihren 39. Wettbewerb für Autor:innen aus NRW aus. Es gibt wieder einen Jury- sowie einen Publikumspreis. Alle Texte der Endrunde werden in einer Anthologie veröffentlicht. Der Schreibimpuls lautet "ohne punkt und komma". Die Autor:innen der Endrunde lesen ihre Texte bei der Recklinghäuser Literaturnacht am 14.11.2026 in der Altstadtschmiede Recklinghausen.

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  • LiteraturTaler 2026 geht an Herbert Somplatzki

    Der LiteraturRat NRW feiert in diesem Jahr sein 40. Bestehen. Zu diesem Jubiläum zeichnet der LiteraturRat NRW einen seiner Mitbegründer, den 92jährigen Autor Herbert Somplatzki, für seine außerordentlichen Verdienste um die Literatur in Nordrhein-Westfalen mit dem LiteraturTaler 2026 aus. Die Preisverleihung fand am 02. Juni in der Zentralbibliothek Düsseldorf statt.

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  • Museum für Westfälische Literatur präsentiert sich in Telgte

    Nach dem erfolgreichen Auftakt im Jahr 2024 findet der zweite Markt der Museen in diesem Jahr im Dümmert-Park in Telgte statt. Das Museum für Westfälische Literatur ist mit einem Info- und Mitmachstand auf dem Markt der Museen vertreten. U.a. erwartet die Besucher:innen ein Live-Holzschnittdruck mit Horst Dieter Gölzenleuchter.

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  • Poesie und Sprechblase

    Das Leitmotiv des diesjährigen Internationalen Lyriktreffens Münster ist "Poesie und Sprechblase". Damit wendet sich das Festival einem Phänomen zu, das unsere Gegenwart zunehmend prägt: der Omnipräsenz von Floskeln, Phrasen, Formeln. Schwindelerregend laut, algorithmisch kuratiert, kaum zu ignorieren. U.a. mit Ursula Krechel, Oksana Maksymchuk, James Noël, Abdalrahman Alqalaq und Monika Rinck.

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