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Jochen Malmsheimer erhält den "Nieheimer Schuhu"

Jochen Malmsheimer

Der 7. Preisträger des Nieheimer Schuhu. Peter Hille-Literaturpreis ist der bundesweit bekannte Kabarettist und Buchautor Jochen Malmsheimer. Jochen Malmsheimer wurde 1961 in Essen geboren, wuchs aber in Bochum auf, wo er auch sein Abitur ablegte. Er studierte einige Semester Germanistik und Geschichte an der Ruhr-Universität in Bochum, entschied sich dann aber für eine Buchhändlerlehre.

Schon als Zwanzigjähriger ging er auf die Bühne: Zunächst als Sänger der Bluesband Vatermörder, die dem großen Vorbild der Blues Brothers nacheiferte. Bekannt wurde er dann - zusammen mit Frank Goosen - als das Kabarett-Duo Tresenlesen, das von 1992 bis 2000 als Ruhrgebiets-Kabarett sehr erfolgreich war. Ab 2000 trat Malmsheimer überwiegend als Solokünstler auf. In seinen bisher neun Bühnenprogrammen widmet er sich so ziemlich allem, was den Zeitgeist bewegt: Mit verblüffenden Wortspielen und kraftvoll inszenierten Temperamentsausbrüchen reißt er das Publikum mit. So entstand eine ganz eigene, charakteristische Kunstform, die als episches Kabarett bezeichnet wird.

Von 2007 bis 2013 war er in der ZDF-Kabarettsendung Neues aus der Anstalt in der Rolle des Anstalt-Hausmeisters zu sehen und trat dort mit Urban Priol, Georg Schramm und anderen auf. Legendär sind auch seine gemeinsamen Lese-Auftritte mit Jürgen von der Lippe. Nach 20-jähriger Pause reaktivierten Malmsheimer und Goosen im April 2020 das Format des Tresenlesen.

Jochen Malmsheimer hat Bücher und Hörbücher publiziert und zahlreiche Preise gewonnen: Bereits 1997 den Prix Pantheon und 1998 den Salzburger Stier, 2009 folgten der Deutsche Kleinkunstpreis und der Deutsche Kabarettpreis, danach der Bayerische Kabarettpreis (2012), der Schweizer Kabarett-Preis-Cornichon (2015) und schließlich nochmals der Deutsche Kabarettpreis (2018).

Als Kabarettist setzt Malmsheimer auf Bildung jenseits von Fernsehen und Internet und wendet sich gegen jede Form von Fremdenhass und ideologischem und religiösem Fanatismus. Sein sympathisches Credo lautet: "Ich bin besonders glücklich, wenn das Glück unvollkommen ist. Vollkommenheit hat keinen Charakter." Und so navigiert Malmsheimer mit satirischer Schärfe durch die "Fährnisse des Alltags" und wendet sich gegen eine Grundhaltung, die mehr auf Abgrenzung als auf Dialogbereitschaft setzt. Er mahnt: "Wer seine Blase nicht verlässt, ist für alles jenseits von ihr unerreichbar." Und darum wirbt er um eine unvoreingenommene Begegnung mit der Kunst: "Fordern Sie nichts von Kunst, was sie nicht zu geben imstande ist, sondern helfen Sie ihr, überhaupt erst mal zu entstehen und staunen Sie darüber, was das dann vielleicht mit Ihnen macht." Das ist der demokratische Imperativ, der Kunst und Kabarett innewohnt!

Der Nieheimer Schuhu

Und so urteilt die Jury des "Nieheimer Schuhu": Jochen Malmsheimer ist ein "Wortakrobat", dessen Texte mit verblüffenden Neologismen und Wortspielen in gewaltigen Satz-Ungetümen gespickt sind, die gedankliche Salti vollführen, die auf einer stupenden Bildung fußen. Mit einer geradezu überbordenden Formulierungslust, die einer ungeheuren Assoziationskraft entspringt und auf der Bühne zu vitalen Temperamentsausbrüchen in atemberaubendem Sprechtempo führt, treibt Malmsheimer die Pointen in immer neue Höhen - eine Kunstform, die zu Recht als "episches Kabarett" bezeichnet wird. Doch es ist nicht nur der von Hille für das Kabarett geforderte "Mutwill", der sich in seinen "Sprachgewittern" austobt, sondern auch der für Hille ebenso wichtige "tiefwitternde Lebenssinn", der seine Kabarettprogramme durchzieht: Er versteht sich nicht als politischer Kabarettist, wohl aber als hellwacher Humorist im Sinne Peter Hilles, der über den Humor schrieb: "Er rührt und stimmt fröhlich. Der Mensch findet sich ganz in ihm wieder." Und bei Malmsheimer lautet das so: "Humor kann und will die Welt nicht retten, aber er kann ein Freund sein, ein Gehilfe, ein Tröster, eben ein Begleiter durch die Fährnisse des Alltags." Verbunden mit Peter Hille in dieser humoristischen Grundhaltung ist Jochen Malmsheimer der würdige 7. Preisträger des "Nieheimer Schuhu. Peter-Hille-Literaturpreis".

Der Nieheimer Schuhu ehrt Autor:innen, die in Westfalen geboren wurden, in Westfalen leben oder deren Werk einen besonderen Bezug zu Westfalen aufweist. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis wird - im Turnus von drei Jahren - von der im Jahr 1983 gegründeten Peter-Hille-Gesellschaft verliehen und erinnert an den westfälischen Schriftsteller Peter Hille, der 1854 in Erwitzen bei Nieheim geboren wurde und als Berliner Dichter-Bohemien in die Literaturgeschichte einging. Hilles eigens für das Kabarett geschriebenen "Lieder des betrunkenen Schuhus" geben dem Preis seinen Namen. Die bisherigen Preisträger sind Erwin Grosche, Fritz Eckenga, Wiglaf Droste (†), Hans Zippert, Bernd Gieseking und Sarah Hakenberg. Stifter des diesjährigen Preises sind die ostwestfälische Stadt Nieheim, die Bürgerstiftung Nieheim und die Sparkasse Paderborn-Detmold-Höxter. Die Bronzeskulptur des "Nieheimer Schuhu" hat der Künstler Bernd Bergkemper gestaltet.

Aktuelles
  • Ausschreibung Poetry Bühne

    Am 13. September verwandelt sich das Areal des Kulturguts Haus Nottbeck in ein Paradies für den erlesenen Literatur- und Kulturgenuss. Für die Poetry-Bühne werden auch in diesem Jahr begeisterte Sprachkünstler:innen gesucht. Von Prosa bis StandUp-Poetry, von Kleinkunst bis Gesang sind alle Formen der Darbietung willkommen! Moderiert wird die Open-Air Bühne von dem Schriftsteller Oliver Uschmann.

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  • Mord am Hellweg XII - Programm komplett

    Insgesamt über 120 Lesungen und weitere Veranstaltungen finden vom 19. September bis zum 14. November 2026 statt. In der abschließenden Vorverkaufsrunde kommen noch einmal viele Highlights aus dem Programm in den Vorverkauf, zum Beispiel Veranstaltungen mit Nele Neuhaus, Sven Stricker & Bjarne Mädel, Ursula Poznanski, Andreas Winkelmann, Marc Raabe, Candice Fox und vielen weiteren.

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  • Bewerbungen zum LesArt.Preis 2026 gestartet

    Jedes Jahr vergibt das Dortmunder "LesArt.Festival" an eine:n junge:n Schriftsteller:in, der:die in Dortmund lebt den "LesArt.Preis der jungen Literatur". Der Preis ist von der Sparkasse Dortmund gestiftet und wird im Rahmen der großen LesArt.Gala im Dortmunder Domicil verliehen. Es können maximal zwei Texte Prosa eingereicht werden. Bewerbungsfrist ist der 03. Oktober 2026.

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  • Poesiepreis der Stadt Münster

    Im Rahmen des Lyriktreffens Münster hat die Stadt Münster am Sonntag, 05. Juli ihren Preis für Internationale Poesie an die serbische Dichterin Milena Marković sowie an das Übersetzerpaar Mirjana und ihren Ehemann Klaus Wittmann verliehen. Marković erhielt den Preis für ihren Gedichtband "Kinder", der sich laut Jury durch "ein besonderes, formal wie inhaltlich kraftvolles Kompositionsprinzip auszeichnet".

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