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Preis für Internationale Poesie

Erinnern und Erwachsenwerden: Internationaler Poesiepreis geht an Milena Marković und ihr Übersetzer-Duo Wittmann

Milena Marković

Der Preis der Stadt Münster für Internationale Poesie geht 2026 an die serbische Dichterin Milena Marković sowie an das Übersetzerpaar Mirjana und ihren 2023 verstorbenen Ehemann Klaus Wittmann. Ausgezeichnet wird der Gedichtband Kinder, der 2025 erschienen ist. Der Rat der Stadt Münster hat den Vorschlag der Jury bestätigt. Der mit 15.500 Euro dotierte Preis wird als Höhepunkt des Internationalen Lyriktreffens übergeben. Der Festakt findet am Sonntag, 05. Juli, in Münsters Erbdrostenhof statt.

Gedichtband mit emotionaler Tiefe, die auch in der Übersetzung wirkt

Die Jury betont die formale Eigenständigkeit und die emotionale Tiefe von Markovićs Text. In der Begründung heißt es: "Seine Mehrschichtigkeit aus lakonischen Bekenntnissen, Klagen, Spott, liedhaften Passagen und filmhaften Bewusstseinsströmen macht Markovićs Buch literarisch reich und emotional präzise zugleich." Dabei hebt das Gremium die Art hervor, wie die Autorin persönliche Erfahrungen mit historischen und familiären Situationen verwebt. Über die deutsche Übersetzung von Mirjana und Klaus Wittmann sagt die Jury, diese trage maßgeblich dazu bei, dass sich die poetische Energie des Originals auch im Deutschen entfalten könne. Das Gremium stellt heraus, dass es Übersetzerin und Übersetzer hervorragend gelinge, "Markovićs Ton, ihre Direktheit und inneren Klangschichten in bemerkenswerter Weise" nachzubilden. Die deutsche Fassung erhalte dem Text "die dynamischen Sätze und die sirrende Mehrstimmigkeit des Originals"

Dichterin als literarische Stimme Serbiens

Milena Marković, 1974 in Zemun bei Belgrad geboren, erhielt als Lyrikerin, Dramatikerin und Drehbuchautorin international Anerkennung. Sie studierte Dramaturgie an der Fakultät für darstellende Künste in Belgrad, an der sie heute selbst lehrt. In Serbien gilt sie seit Jahren als eine der prägenden literarischen Stimmen ihrer Generation. Ihr Werk bewegt sich zwischen Poesie, Theater und Prosa. Für den Band Deca ("Kinder") wurde sie 2021 mit dem renommierten serbischen NIN-Preis ausgezeichnet.

Mit "Kinder" legt Marković ihren siebten Gedichtband vor. Dieses Werk, das sich nicht in gängige Gattungen einordnen lässt, ist als Langgedicht angelegt. Im Zentrum steht die Sicht einer Mutter, die ihr eigenes Aufwachsen, ihre Liebesgeschichten und die Geburt ihrer Söhne reflektiert. Dabei ist ein autistischer Sohn ihr stilles Gegenüber, an dem sie Fragen nach Schuld, Fürsorge und Erinnerung ausrichtet. Der Text verbindet Erfahrungen der Autorin mit fiktiven, intimen Szenen des Familienlebens und grundsätzlichen Überlegungen zu Gesellschaft, Erinnerung und Erwachsenwerden.

Mirjana und Klaus Wittmann

Übersetzer-Paar Wittmann verschafft südosteuropäischer Literatur Gehör

Mirjana Wittmann, 1938 in Sarajevo geboren, wuchs in Belgrad auf und studierte an der Universität Heidelberg. Sie lebt in Bonn und arbeitet als literarische Übersetzerin, die aus dem Serbischen, Kroatischen und Bosnischen ins Deutsche überträgt. Wittmann hat zahlreiche Werke zeitgenössischer Autor:innen aus Südosteuropa ins Deutsche übertragen. Viele ihrer Übertragungen veröffentlichte sie gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Übersetzer Klaus Wittmann (1937-2023).

Klaus Wittmann setzte sich über Jahrzehnte hinweg für die Vermittlung südosteuropäischer Literatur ein und prägte den literarischen Austausch zwischen dem ehemaligen Jugoslawien und dem deutschsprachigen Raum. Für ihre Übersetzung von David Albaharis "Mutterland" wurden die beiden 2006 mit dem Brücke Berlin Literatur- und Übersetzerpreis ausgezeichnet, 2011 erhielten sie den Paul-Celan-Preis für ihr gemeinsames Lebenswerk.

Stadt verleiht Preis seit 1993

Seit 1993 verleiht die Stadt Münster alle zwei Jahre den Preis für Internationale Poesie. Die Auszeichnung ist mit insgesamt 15.500 Euro dotiert und entfällt je zur Hälfte auf Autor:in und die Übersetzer:in. Jurymitglieder sind bei dieser Ausgabe Literaturwissenschaftlerin Dr. Maren Jäger, Literaturkritikerin Cornelia Jentzsch, Autor und Literaturwissenschaftler Dr. Matthias Kniep, Schriftsteller Norbert Lange, Publizist Norbert Wehr und - mit beratender Stimme - Kulturausschussmitglied bis 2025, Lia Kirsch. Preisträgerin war zuletzt die Dichterin Diane Seuss (USA) mit dem Übersetzer Franz Hofner. Das Internationale Lyriktreffen Münster wird vom Kulturamt der Stadt Münster und dem Literaturverein veranstaltet und findet vom 03. bis 05. Juli 2026 statt.

Aktuelles
  • Literatur-Eule 2026

    Die Neue Literarische Gesellschaft Recklinghausen schreibt ihren 39. Wettbewerb für Autor:innen aus NRW aus. Es gibt wieder einen Jury- sowie einen Publikumspreis. Alle Texte der Endrunde werden in einer Anthologie veröffentlicht. Der Schreibimpuls lautet "ohne punkt und komma". Die Autor:innen der Endrunde lesen ihre Texte bei der Recklinghäuser Literaturnacht am 14.11.2026 in der Altstadtschmiede Recklinghausen.

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  • LiteraturTaler 2026 geht an Herbert Somplatzki

    Der LiteraturRat NRW feiert in diesem Jahr sein 40. Bestehen. Zu diesem Jubiläum zeichnet der LiteraturRat NRW einen seiner Mitbegründer, den 92jährigen Autor Herbert Somplatzki, für seine außerordentlichen Verdienste um die Literatur in Nordrhein-Westfalen mit dem LiteraturTaler 2026 aus. Die Preisverleihung fand am 02. Juni in der Zentralbibliothek Düsseldorf statt.

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  • Museum für Westfälische Literatur präsentiert sich in Telgte

    Nach dem erfolgreichen Auftakt im Jahr 2024 findet der zweite Markt der Museen in diesem Jahr im Dümmert-Park in Telgte statt. Das Museum für Westfälische Literatur ist mit einem Info- und Mitmachstand auf dem Markt der Museen vertreten. U.a. erwartet die Besucher:innen ein Live-Holzschnittdruck mit Horst Dieter Gölzenleuchter.

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  • Poesie und Sprechblase

    Das Leitmotiv des diesjährigen Internationalen Lyriktreffens Münster ist "Poesie und Sprechblase". Damit wendet sich das Festival einem Phänomen zu, das unsere Gegenwart zunehmend prägt: der Omnipräsenz von Floskeln, Phrasen, Formeln. Schwindelerregend laut, algorithmisch kuratiert, kaum zu ignorieren. U.a. mit Ursula Krechel, Oksana Maksymchuk, James Noël, Abdalrahman Alqalaq und Monika Rinck.

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