Zurück zur Übersicht

Hauptpreis für Sarah Jäger

Sarah Jäger erhält für ihren Roman "Das Feuer vergessen wir nicht" den Literaturpreis Ruhr 2026.

Sarah Jäger

Den mit 15.000 Euro dotierten Hauptpreis des Literaturpreis Ruhr gewinnt Sarah Jäger für ihren Jugendroman Das Feuer vergessen wir nicht. Garrelt Duin, Regionaldirektor des Regionalverbandes Ruhr (RVR), übergibt den Preis. Jäger setzte sich gegen die vier Mitnominierten Uwe Carow ("Im Dunkeln zu Hause"), Patrik Peyn ("die leere in der orangerie"), Denis Pfabe ("Die Möglichkeit einer Ordnung") und Vera Zischke ("Pina fällt aus") durch.

Den mit 5.000 Euro dotierten Förderpreis erhält Ajda Coşar für ihren Text "Nimmersatt". Sie nimmt die Auszeichnung von Sonja Leidemann, Vorsitzende des Ausschusses für Kultur, Sport, Bildung und Wissenschaft des Ruhrparlaments, entgegen.

Mit dem undotierten Ehrenpreis wird der Schauspieler, Autor, Regisseur, Moderator und Veranstalter Till Beckmann für seine besonderen Verdienste um die Literatur im Ruhrgebiet ausgezeichnet. Den Ehrenpreis überreicht Patricia Schröer, Leiterin des Referates für Kultur, Sport und Industriekultur des Regionalverbandes Ruhr.

Der Literaturpreis Ruhr feiert in diesem Jahr sein 40-jähriges Bestehen. Seit 1986 wird er vom Regionalverband Ruhr vergeben und vom Literaturbüro Ruhr organisatorisch und konzeptionell betreut. Auch das Literaturbüro besteht seit 40 Jahren. Die Jubiläumsgala fand am Dienstag, 15. September, in der Mathias-Jakobs-Stadthalle Gladbeck statt. Moderiert wurde der Abend von Max Moor, die Musik kommt von Stina Holmquist.

Ina Brandes, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen: "Lust aufs Lesen ist noch immer die Schlüsselqualifikation für Bildung. Das gilt ganz besonders in einer zunehmend digitalen Welt. Der Regionalverband Ruhr und das Literaturbüro haben das früh erkannt. In diesem Jahr wird der renommierte Literaturpreis Ruhr bereits zum 40. Mal an herausragende Autorinnen und Autoren verliehen, die mit ihren ausgezeichneten Werken Lust aufs Lesen machen. Ich gratuliere dem Regionalverband Ruhr zum runden Geburtstag und allen Preisträgerinnen und Preisträgern zu dieser verdienten Auszeichnung."

Garrelt Duin, RVR-Regionaldirektor: "Der Literaturpreis Ruhr zeichnet nun bereits seit 40 Jahren herausragende literarische Werke aus, die das Ruhrgebiet in all seinen Facetten beschreiben. Dass mit Sarah Jägers Roman 'Das Feuer vergessen wir nicht' ein mitreißender Roman für Jugendliche den Hauptpreis gewinnt, freut mich ganz besonders. Wer junge Menschen fürs Lesen gewinnen will, muss ihnen gute Geschichten geben - und dafür sorgen, dass diese Geschichten gesehen werden. Das ist Aufgabe des Literaturpreises Ruhr: Die Bücher zu entdecken und ins Schaufenster zu stellen!"

Ajda Coşar bekommt von Kulturausschussvorsitzenden Sonja Leidemann den Förderpreis überreicht.

Über die Preisträger:innen

Hauptpreis für Sarah Jäger

Sarah Jäger erzählt in "Das Feuer vergessen wir nicht" in ebenso poetischer wie glaubwürdiger Sprache von der 17-jährigen Ari, ihren engsten Freunden Mirjam und Milan und ihrer ersten Liebe. Beim Vorlesen in einem Altenheim begegnet Ari Flint, der dort Sozialstunden ableistet. Als eine Bewohnerin vom Streik der Londoner Streichholzarbeiterinnen im Jahr 1888 erzählt, beginnt Ari, neu über ihr eigenes Leben nachzudenken. Laudator Jürgen Brôcan würdigt besonders die einfühlsame und sinnliche Wahrnehmung der jungen Figuren. Jägers Roman stelle Fragen, ohne vorschnell zu urteilen, und bewahre trotz aller Konflikte ein utopisches Moment. Ihre Bücher seien "große Literatur, stilistisch elegant und stets originell konstruiert" - und ließen die Grenze zwischen Jugend- und Erwachsenenliteratur durchlässig werden.

Sarah Jäger lebt und arbeitet im Ruhrgebiet, zuerst als Call-Center-Agentin, später als freiberufliche Theaterpädagogin. Seit 2016 ist sie Buchhändlerin. Für ihren Roman Nach vorn, nach Süden erhielt sie unter anderem den Luchs des Monats der ZEIT sowie das Kranichsteiner Jugendliteraturstipendium und stand auf der Shortlist des Literaturpreis Ruhr. Ihr zweiter Roman Die Nacht so groß wie wir war für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2022 nominiert und wurde an mehreren Theatern aufgeführt. Mit ihrem vierten Roman Und die Welt, sie fliegt hoch erhielt Sarah Jäger den Deutschen Jugendliteraturpreis 2025.

Förderpreis für Ajda Coşar

"Nimmersatt" ist ein mehrsprachiges Prosagedicht und poetisches Programm zugleich: Das lyrische Ich hungert nach Worten und verschlingt Sprachen, Gesprächsfetzen, Alliterationen und Sprachnachrichten. Deutsch verbindet sich unter anderem mit Türkisch, Kurdisch, Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch. So entsteht eine selbstbewusste, vielstimmige Literatur, die Raum beansprucht und gehört werden will. Die Förderpreisjury überzeugten die Vielsprachigkeit und die große Energie des Textes. Coşars Lyrik greife Erfahrungen einer vielsprachigen Einwanderungsgesellschaft auf und frage zugleich danach, welche Sprachen als literarisch wertvoll wahrgenommen werden. Laudatorin Karin Yeşilada würdigt die "furchtlose Haltung", die "Klarheit und Tiefe" sowie die zugleich "rotzig-frische, nachdenklich-zarte" Sprache der Autorin.

Ajda Coşar ist Psychologin und freie Autorin. Ihr Schreiben bewegt sich zwischen Prosa und Lyrik - ist laut, formspielend, verstehend und suchend zugleich. Mehrsprachigkeit spielt sowohl in ihrem Alltag als auch in ihrer literarischen Arbeit eine zentrale Rolle. Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit leitet sie Workshops zu Mehrsprachigkeit und kultureller Praxis und veröffentlicht regelmäßig in Literaturzeitschriften und Anthologien.

Till Beckmann erhält von Referatsleiterin Kultur & Industriekultur (RVR) Patricia Schröer den Ehrenpreis. Max Moor moderiert die Preisverleihung.

Ehrenpreis für Till Beckmann

Till Beckmann erhält den Ehrenpreis des Literaturpreis Ruhr 2026 für seine besonderen Verdienste um die Literatur im Ruhrgebiet. Der 1985 in Recklinghausen geborene Schauspieler, Autor, Regisseur, Moderator und Veranstalter initiierte Wettbewerbe für junge Ruhrgebietsliteratur, gab Anthologien heraus und schuf mit den Ruhrpoeten eine Plattform für neue Stimmen. Er bringt Literatur als Bühnenprogramm, Film, Hörspiel, Performance oder Audiotour an ungewöhnliche Orte. Gemeinsam mit Nils Beckmann und Adolf Winkelmann schrieb er das Drehbuch zum Spielfilm Junges Licht nach Ralf Rothmann, mit Jennifer Ewert entwickelte er die Audiotour Overhausen - Ralf-Rothmann-Wege. Bruder Nils Beckmann hebt in seiner Laudatio hervor, Till verstehe Literatur nicht als Bühne für sich selbst, sondern als Raum für alle, die mitmachen wollen. Neugier, Hingabe und die Förderung neuer Anfänge zeichneten seine Arbeit aus. Lina Beckmann und Charly Hübner gratulieren in einer Videobotschaft. Der Ehrenpreis besteht aus einer Skulptur des Künstlers Peter Schloss.

Über den Literaturpreis Ruhr

Der Literaturpreis Ruhr ist die wichtigste ideelle wie materielle Auszeichnung für Schriftsteller:innen, die im Ruhrgebiet leben, sowie für Autor:innen von außerhalb, die über die Region schreiben. Er wird seit 1986 jährlich vom Regionalverband Ruhr vergeben und vom Literaturbüro Ruhr organisatorisch und konzeptionell betreut. Der Literaturpreis Ruhr und das Literaturbüro Ruhr feiern 2026 ihr 40-jähriges Bestehen. Für den Hauptpreis kamen herausragende Titel aus dem Ruhrgebiet und über das Ruhrgebiet infrage, die im Zeitraum vom 01. Mai 2025 bis 30. April 2026 in einem Verlag oder per Selfpublishing erschienen sind.

Der Hauptpreis ist mit 15.000 Euro dotiert. Der Förderpreis wird an Nachwuchsschriftsteller:innen vergeben, die im Ruhrgebiet leben. Er ist mit 5.000 Euro dotiert. Mit dem Ehrenpreis werden eine oder mehrere Personen oder eine Institution für herausragende Verdienste um die Literatur im Ruhrgebiet oder für das literarische, literaturwissenschaftliche, literaturkritische, organisatorische oder verlegerische Gesamtwerk ausgezeichnet. Der Ehrenpreis ist kein Jurypreis, sondern wird vom RVR in Absprache mit dem Literaturbüro Ruhr direkt vergeben.

Jury Hauptpreis 2026: Cathrin Brackmann, Journalistin, Moderatorin und Buchkritikerin, Jürgen Brôcan, Autor, Übersetzer und Kritiker; Träger des Literaturpreis Ruhr 2016, Prof. Dr. Peter Goßens, Professor für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum, Martin Kaysh, Autor, Satiriker und Moderator, Kathrin Olzog, Buchhändlerin und Gründerin der Barbara Buchhandlung in Moers, Jennifer Schumacher, Journalistin und Leiterin des Kultur- und Freizeit-Ressorts der WAZ Feridun, Zaimoglu, Schriftsteller, Drehbuchautor und Dramatiker

Jury Förderpreis 2026: Julienne de Muirier, Autorin für Prosa und Dramatik; Förderpreisträgerin des Literaturpreis Ruhr 2023, Lothar Gräfingholt, Mitglied des Ruhrparlaments und des RVR-Ausschusses für Kultur, Sport, Bildung und Wissenschaft Melih Keser, Kommunalpolitiker und Mitglied des RVR-Ausschusses für Kultur, Sport, Bildung und Wissenschaft Lea Messerschmidt, Journalistin und Studentin der Philosophie und Literatur, Karsten Strack, Geschäftsführer des Lektora-Verlags und Künstlerischer Leiter des Literaturbüros Ostwestfalen-Lippe, Tilman Strasser, Autor und Kulturkonzepter, Dr. Karin Yeşilada, Interkulturelle Germanistin, Literatur- und Theaterkritikerin sowie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Ruhr-Universität Bochum

Aktuelles
  • LILA WÜRMER

    Literaturveranstaltungen für Kinder sind nun im [lila we:]-Kalender einfacher zu entdecken. Ab sofort kriechen die LILA WÜRMER über diese Website und markieren Veranstaltungen für Nachwuchs-Bücherwürmer. Neben dem Kalender auf dieser Website können die Würmer auch bei Instagram und auf den halbjährlichen Programmflyern entdeckt werden.

    weiterlesen
  • Comic-Preis für Keum Suk Gendry-Kim

    Der Dortmunder Comic-Preis geht 2027 an die südkoreanische Zeichnerin und Autorin Keum Suk Gendry-Kim. Die Jury würdigt ihre Graphic Novel "Gras", die von den Erfahrungen koreanischer Überlebender sexualisierter Gewalt im Zweiten Weltkrieg erzählt. Die Preisverleihung findet am 12. Februar 2027 im Dortmunder Rathaus statt.

    weiterlesen
  • LITFILMS: Die Preisträger:innen

    Die Preise des diesjährigen LITFILMS Festivals Münster wurden am 27. September im Schloßtheater Münster vergeben. Der walisische Spielfilm "Effi o Blaenau" von Regisseur Marc Evans, nach dem Stück "Iphigenia in Splott" von Gary Owen, gewinnt den mit 5.000 Euro dotierten Preis im Wettbewerb "Literaturadaption".

    weiterlesen
  • Neue Stipendiatinnen des Fritz-Hüser-Instituts

    Alexa Dietrich und Josefine Soppa erhalten die diesjährigen Arbeitsstipendien des Fritz-Hüser-Instituts. Ihre Texte erzählen von weiblichen Arbeitsbiografien und Sorgearbeit sowie von Körpern, Technik und Infrastruktur. Beide Stipendien sind mit je 4.000 Euro dotiert. Eine dreiköpfige Jury wählte ihre Arbeiten aus.

    weiterlesen