Alexa Dietrich und Josefine Soppa sind die diesjährigen Stipendiatinnen des Fritz-Hüser-Instituts. Eine dreiköpfige Jury wählte ihre Arbeiten aus mehr als 120 Bewerbungen aus. Die beiden Autorinnen erhalten jeweils 4.000 Euro für ihre literarischen Projekte.
Dietrich arbeitet an ihrem Roman und salz und sorge, Soppa an dem Gedichtband Werkzeug. Beide nähern sich der Arbeitswelt auf sehr unterschiedliche Weise - und richten den Blick dabei auch auf Bereiche, die im Alltag oft übersehen werden.

Alexa Dietrich: Zwischen Fluchtgeschichte und Sorgearbeit
In "und salz und sorge" erzählt Alexa Dietrich von weiblichen Arbeitsbiografien, einer Flucht aus der DDR und Fürsorgearbeit. Die Jury lobt ihre sprachlich genaue und zugleich leichtfüßige Erzählweise. Dietrich beobachte aufmerksam, was Menschen sagen - und was unausgesprochen bleibt. Dabei geht es auch um die Frage, unter welchen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedingungen Sorgearbeit geleistet wird. Dietrich nähert sich diesen Themen ohne fertige Antworten oder moralische Bewertungen. Ihre Figuren und ihre Sprache machen vielmehr die feinen Machtverhältnisse des Alltags sichtbar.
Die 1996 geborene Autorin studierte am Literaturinstitut Hildesheim und an der Freien Universität Berlin. Sie arbeitet allein, kollaborativ und im KRITTER Kollektiv an einer sozialen Poetik. Für ihren ersten Roman wurde sie bereits mehrfach gefördert, zuletzt unter anderem von der Fondation Jan Michalski, dem Künstlerhaus Lukas und der Kunststiftung Baden-Württemberg.
Josefine Soppa: Wenn Dinge unseren Alltag bestimmen
"Werkzeug" heißt der Gedichtband von Josefine Soppa. Ihre Gedichte schauen auf Dinge, die unseren Alltag prägen: einen Rollstuhl, einen Kinderwagen, Aufzüge und Rampen, aber auch digitale Technologien wie GPUs. Was können diese Dinge? Wem erleichtern sie das Leben? Und wie verändern sie unsere Körper und unseren Alltag? Soppa verbindet in ihren Gedichten Technisches, Digitales und Soziales. Die Jury würdigt ihre Sprache als zugleich sachlich und zärtlich, dokumentarisch und politisch. So wird scheinbar Alltägliches zum Ausgangspunkt für einen neuen Blick auf Arbeit, Abhängigkeiten und gesellschaftliche Strukturen.
Josefine Soppa lebt als freie Autorin in Berlin. Ihr Debütroman MIRMAR über prekäre Arbeitsbedingungen und feministische Widerstände erschien 2023 im Aufbau Verlag. 2025 erhielt sie für Klick Klack, der Bergfrau erwacht den Wortmeldungen Literaturpreis der Crespo Foundation. Im selben Jahr erschien ihr Essay über Krankheit, Sprache, Arbeit und KI im Verbrecher Verlag.
Mehr als 120 Bewerbungen
Die große Zahl der Bewerbungen für das Stipendium zeigt, wie vielfältig Autor:innen heute über Arbeit schreiben. Neben Romanen und Erzählungen erreichten das Fritz-Hüser-Institut Theaterstücke, Essays, Hörspiele, Kinderbücher und Gedichte. Für die Vergabe der Stipendien waren die literarische Qualität und eine überzeugende Auseinandersetzung mit der Arbeitswelt ausschlaggebend. Dazu zählt nicht nur sichtbare und unsichtbare Lohnarbeit. Auch unbezahlte Care- und Reproduktionsarbeit gehört zum Themenfeld.
Die Jury bestand aus dem Autor Ilija Matusko, der Buchhändlerin und Literaturwissenschaftlerin Carla Schäfer sowie der Autorin und Lektorin Tanja Raich. Auf der Shortlist standen außerdem Philipp Böhm, Carolin Callies, Julia Friese, Marlen Hobrack, Niclas Seydack, Res Sigusch und Étienne Thierry.
Literaturförderung mit Tradition
Mit den Arbeitsstipendien knüpft das Fritz-Hüser-Institut an seinen Namensgeber Fritz Hüser an. Der Bibliothekar förderte bereits zu Lebzeiten die Literatur der Arbeitswelt und machte sie einem breiten Publikum zugänglich. Nach der Veröffentlichung der geförderten Texte sind Veranstaltungen mit den beiden Stipendiatinnen in Dortmund geplant. Auch 2027 möchte das Fritz-Hüser-Institut wieder ein Arbeitsstipendium ausschreiben.




