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Westfälische Friedensgespräche 2025 abgeschlossen

Literatur als Weg zur Versöhnung

Podium auf Haus Opherdicke mit Najem Wali, Jan Carson, Dr. Craig Larkin, Aimée Walsh und Moderator Günter Keil

Im Oktober fanden die Westfälischen Friedensgespräche 2025 mit einem internationalen Panel während der Frankfurter Buchmesse einen erfolgreichen Abschluss. Das vom Westfälischen Literaturbüro in Unna e.V. initiierte Projekt beruht auf der Idee, Schriftsteller:innen aus zwei Ländern oder Regionen zusammenzubringen, die in einem Konflikt miteinander stehen. Gemeinsam entwickeln sie literarische Visionen für eine andere Art des Dialogs mit dem Ziel, festgefahrenen politischen oder diplomatischen Gesprächen neue Impulse zu geben. Die Idee zu dem Projekt stammt von dem irakisch-deutschen Schriftsteller Najem Wali, der es auch als Kurator begleitet. Ab sofort können die Projektergebnisse unter www.wlb.de abgerufen werden.

Nachdem sich die erste Ausgabe 2023 mit der Katalonien-Krise auseinandersetzte, widmeten sich die zweiten "Westfälischen Friedensgespräche" in diesem Jahr unter dem Titel "The Troubles" dem Nordirland-Konflikt. Zwar gilt dieser durch das 1998 geschlossene Karfreitagsabkommen als offiziell beendet, dennoch schwelt der Konflikt bis heute, zuletzt verstärkt durch den Brexit. Mehrere Monate lang tauschten die nordirischen Autorinnen Jan Carson (protestantischer Hintergrund) und Aimée Walsh (katholischer Hintergrund) sehr persönliche Essays über das Aufwachsen in der akuten Phase des Konflikts und ihre Sicht auf die aktuelle Lage in Nordirland aus. Aimée Walsh beschreibt gleich zu Beginn ihre Kindheit in einem Klima der ständigen Wachsamkeit: "Ich wurde in den 90er Jahren in Belfast geboren und verbrachte meine prägenden Jahre damit, mich ständig umzuschauen, um zu überprüfen, was oder wer hinter mir war."

Grußwort von Wolfram Kuschke beim Internationalen Podium in Frankfurt am Main

Die Begegnung der beiden Autorinnen berührte auch die zentrale Leitfrage des Projekts: Ob und inwiefern Literatur helfen kann, neue Perspektiven für die Lösung eines Konflikts zu eröffnen. "Falls wir uns, wenn auch langsam, auf eine Grenzabstimmung zubewegen, ist es von entscheidender Bedeutung, dass diejenigen, die auf beiden Seiten der Grenze abstimmen, sich der vielfältigen Lebenswelten, die derzeit auf dieser Insel existieren, vollständig bewusst sind", so beispielsweise die Meinung von Jan Carson zu einer möglichen Volksabstimmung. "Ich glaube von ganzem Herzen, dass unsere Künstler:innen, wenn es bald ein Referendum geben soll, eine große Rolle bei den Vorbereitungen für die Abstimmung spielen müssen."

Somit verfolgen die "Westfälischen Friedensgespräche" neben der Auseinandersetzung mit einem konkreten Konflikt stets auch das Ziel, allgemeine Erkenntnisse und Impulse für die Friedensfindung zu gewinnen. Besonders das Nordirland-Thema stellte dabei die Frage nach Schuld und Verzeihen und danach, warum man dort bis heute kaum von einer echten Nachkonfliktzeit sprechen kann.

Neben der Paneldiskussion in Frankfurt am Main diskutierten die Autorinnen zum Auftakt im September auf Haus Opherdicke im Kreis Unna, u.a. mit dem Friedensforscher Dr. Craig Larkin. Im Programm der Veranstaltungsreihe gab es weiterhin Lesungen mit den Autorinnen aus ihren aktuellen Romanen sowie ein Rahmenprogramm zur Friedensthematik und insbesondere zum Nordirland-Konflikt. Beteiligt waren u.a. Irland-Korrespondent Ralf Sotscheck, Schauspieler Wanja Mues, der aus den Lebenserinnerungen des IRA-Aussteigers Shane Paul O'Doherty las, sowie der ukrainisch-deutsche Autor Dmitrij Kapitelman.

"Unter der Überschrift 'urban diplomacy' ist die Einsicht gewachsen, dass das herkömmliche multilaterale System in der internationalen Politik durch regionale Bemühungen erweitert werden muss. Städtepartnerschaften auch in schwierigen Zeiten zeigen, dass dies ein erfolgreicher Weg sein kann. Wir fühlen uns auch durch diese Entwicklungen ermutigt, die literarischen Friedensgespräche fortzusetzen", so Staatsminister a.D. Wolfram Kuschke, der 1. Vorsitzende des Westfälischen Literaturbüros.

Die Abschlussessays von Jan Carson und Aimée Walsh sowie von Jordi Puntí und José Ovejero, den Protagonisten der ersten "Westfälischen Friedensgespräche", können unter www.wlb.de abgerufen werden. Angedacht sind eine weitere Ausgabe des Projekts sowie eine Publikation der vollständigen Texte.

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