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Margret Holota
10.11.2023
Ort: Hamm
Beginn: 19:30 Uhr

45. Literarisches Quintett

Im Rahmen vom Literarischen Herbst

Zum 45. Mal trifft sich das Literarische Quintett, um über aktuelle Neuerscheinungen des Buchmarktes zu streiten. Dieses Mal in folgender Besetzung: Margret Holota, Buchhandlung Holota, Monika Quadflieg, Freundeskreis Stadtbücherei Hamm e.V., Dr. Mirjam Springer, Universität Münster, Dr. Ralf Stiftel, Westfälischer Anzeiger und Rainer Wilkes, Radio Lippewelle Hamm.

Im Mittelpunkt der Diskussion stehen folgende Bücher:

Daniel Kehlmann: Lichtspiel (Rowohlt Verlag)

Einer der größten des Kinos, vielleicht der größte Regisseur seiner Epoche: Zur Machtergreifung dreht G. W. Pabst in Frankreich; vor den Gräueln des neuen Deutschlands flieht er nach Hollywood. Aber unter der blendenden Sonne Kaliforniens sieht der weltberühmte Regisseur mit einem Mal aus wie ein Zwerg. Nicht einmal Greta Garbo, die er unsterblich gemacht hat, kann ihm helfen. Und so findet Pabst sich, fast wie ohne eigenes Zutun, in seiner Heimat Österreich wieder, die nun Ostmark heißt. Die barbarische Natur des Regimes spürt die heimgekehrte Familie mit aller Deutlichkeit. Doch der Propagandaminister in Berlin will das Filmgenie haben, er kennt keinen Widerspruch, und er verspricht viel. Während Pabst noch glaubt, dass er dem Werben widerstehen, dass er sich keiner Diktatur als der der Kunst fügen wird, ist er schon den ersten Schritt in die rettungslose Verstrickung gegangen.

Wolf Haas: Eigentum (Hanser-Verlag)

"Ich war angefressen. Mein ganzes Leben lang hat mir meine Mutter weisgemacht, dass es ihr schlecht ging. Drei Tage vor dem Tod kam sie mit der Neuigkeit daher, dass es ihr gut ging. Es musste ein Irrtum vorliegen." Mit liebevoll grimmigem Witz erzählt Wolf Haas die heillose Geschichte seiner Mutter, die, fast fünfundneunzigjährig, im Sterben liegt. 1923 geboren, hat sie erlebt, was Eigentum bedeutet, wenn man es nicht hat. "Dann ist die Inflation gekommen und das Geld war hin." Für sie bedeutete das schon als Kind: Armut, Arbeit und Sparen, Sparen, Sparen. Doch nicht einmal für einen Quadratmeter war es je genug.

Anne Berest: Die Postkarte (Berlin Verlag)

Anne Berest geht dem Schicksal ihrer eigenen Familie nach - und landete damit einen preisgekrönten literarischen Coup, der seit Erscheinen im Herbst 2021 auf der französischen Bestsellerliste steht. Im Januar 2003 fand Anne Berests Mutter unter den Neujahrswünschen eine verstörende Postkarte mit nichts als den Namen ihrer vier Angehörigen, die in Auschwitz ermordet wurden; ohne Absender, ohne Unterschrift. Anne fragt nach und die Mutter erzählt ihr die tragische Geschichte der Familie Rabinowicz. Aber erst als ihre kleine Tochter in der Schule Antisemitismus erfährt, beschließt Anne, der Sache wirklich auf den Grund zu gehen. Mithilfe eines Privatdetektivs und eines Kriminologen recherchiert sie in alle erdenklichen Richtungen. Das Ergebnis ist dieser Ausnahmeroman. Er zeichnet nicht nur den ungewöhnlichen Weg der Familie nach, sondern fragt auch, ob es gelingen kann, in unserer Zeit als Jüdin ein "ganz normales" Leben zu führen.

Goran Vojnović: 18 Kilometer bis Ljubljana (Folio Verlag)

"Das Leben ist ein Sonntagnachmittag, wie Radovan sagen würde. Lang und langweilig, und nimmt ein schlimmes Ende." Widerwillig kehrt Marko in seine alte Heimat zurück. In Fužine, dem Vorort von Ljubljana, ist nichts mehr so, wie es war. Die Leute hängen nicht mehr in Trainingsanzügen vor dem Block ab. Die Jugendlichen beschmieren keine Aufzüge mehr und sehen jetzt aus wie brave Geklonte. Er gehört nicht mehr hierher und fühlt sich wie ein Außerirdischer. Seine Freunde sind Junkies oder zum Islam konvertiert, sein Vater hat einen Tumor und tut so, als ginge ihm das am Arsch vorbei. Nach zehn Jahren in der bosnischen Provinz bei Oma und Opa und nach einer unglücklichen Liebe zu einer abgefahrenen Muslimin versucht er dort, wo er nie zu Hause war, seinen Platz zu finden.

Joseph O'Connor: In meines Vaters Haus (Verlag C.H.Beck)

September 1943: Die deutschen Truppen haben Rom unter ihrer Kontrolle. Der Chef des NS-Sicherheitsdienstes Paul Hauptmann beherrscht die Ewige Stadt mit brutaler Effizienz. Hunger ist weit verbreitet. Die Gerüchteküche brodelt. Der Ausgang des Krieges ist alles andere als sicher. Diplomaten, Flüchtlinge, Juden und entkommene alliierte Gefangene suchen Schutz in Vatikanstadt, dem kleinsten Staat der Welt, ein neutrales, unabhängiges Land inmitten der Stadt Rom. Eine kleine Gruppe ganz unterschiedlicher Freunde, angeführt von einem mutigen irischen Priester, gerät in allergrößte Gefahr, während sie versuchen, den Schutzsuchenden zu helfen. Joseph O’Connors Roman ist inspiriert von der außergewöhnlichen, wahren Geschichte von Monsignore Hugh O’Flaherty, der zusammen mit seinen Komplizen sein Leben riskierte, um Juden und geflohene alliierte Gefangene vor den Augen seines Nazi-Feindes Herbert Kappler (im Roman die Figur des Paul Hauptmann) aus Italien zu schmuggeln. Spannend, szenisch und wunderschön geschrieben, erzählt "In meines Vaters Haus" eine unvergessliche Geschichte von Liebe, Glauben, strategischem Geschick, Aufopferung und Mut.

Informationen
Datum:
10.11.2023, 19:30 Uhr
Ort:
Gerd-Bucerius-Saal im Heinrich-von-Kleist-Forum
Platz der Deutschen Einheit 1
59065 Hamm
Anfahrt (Google Maps)
Eintritt:
VVK 6 €, erm. 4 €, AK 7 €, erm. 5 €
Veranstalter:
Stadtbüchereien Hamm
E-Mail:
Web:
Weiteres:

In diesem Jahr erhalten Sie Eintrittskarten für den Literarischen Herbst sowohl online als auch vor Ort in der Zentralbibliothek. Karten sind darüber hinaus erhältlich in den Buchhandlungen Harms, Holota und Leseliebe - Claudia Hellmann.

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