
Orfeo: Ein Comicgedicht im Dunkel
Im Dunkeln öffnet sich eine Lichtquelle: Auf der Leinwand erscheinen die Bilder aus Poema a fumetti, gelesen und neu geformt mit Sarah Giese. Die poetisch-surreal gestaltete Graphic Novel von Dino Buzzati verlegt den Orpheus-Mythos in eine moderne, traumartige Unterwelt - erzählt in expressiven Bildern zwischen Sehnsucht, Verlust und Verführung. Die Lesung verbindet Bild, Stimme und Raum - und stellt zugleich Fragen: Wer blickt hier auf wen? Welche Geschichten bleiben unsichtbar? Sowohl Vorlage als auch Film erzählen aus einer männlich geprägten Perspektive, in der die weibliche Figur zur Projektionsfläche wird. Ihre ästhetische Überhöhung bei gleichzeitiger Sprachlosigkeit lässt sich als Ausdruck eines Male Gaze lesen - und eröffnet zugleich Möglichkeiten, diese Leerstelle neu zu befragen.
Im Anschluss folgt Orfeo von Virgilio Villoresi: ein visuell opulenter Film über einen Musiker, der seiner verlorenen Geliebten in eine fantastische Zwischenwelt folgt - eine bildgewaltige, experimentelle Reise durch Erinnerung, Begehren und Verlust.




