Literaturtipp

Oliver Uschmann

Ausgefranzt

Adakia Verlag, Leipzig 2025

"Sollte jemals einer ein Kafka-Buch mit Käfer auf dem Cover herausbringen, er müsste dafür verdammt gute Gründe haben."

Als Franz Kafka mysteriöserweise aus der Weltgeschichte verschwindet, sieht der verschuldete und von der Familie gedemütigte Schriftsteller Joris Klein die Chance gekommen, endlich seine Würde zurückzuerobern. Nicht nur können er und Nachbarin Toni auf dem als Dauerwohnsitz genutzten Campingplatz sich als Einzige an den legendären Autor erinnern - als dessen größter Fan vermag Joris sogar, den Roman "Der Process" aus dem Gedächtnis zu rekonstruieren. Der Versuch, den vergessenen Klassiker als frisches Debüt zu verkaufen, erweist sich angesichts des heutigen Verlagswesens allerdings als ähnlich hoffnungsvoll, wie gegen das Gericht zu gewinnen ...

"[W]ahres, herausragendes Können, wie es nur Wenige ihr Eigen nennen - habe man das zu bieten, schneide es durch sämtliche Widerstände wie ein Messer durch weiche Butter. Herr Hägele sieht das. Er hat keine neue Komödie von Joris Klein gelesen, sondern den Process von Franz Kafka. Wie viel schärfer könnte ein Messer sein? [...] Hägele verschränkt die Arme hinter dem Kopf. Lehnt er sich noch ein wenig weiter zurück, könnte er sich drehen und beiläufig der Orchidee eines ihrer Blätter abbeißen. Stattdessen bleibt sein Blick bei mir. 'Sie haben mich missverstanden. Ein Auszug im Wortmetz? Immer gern. Aber den Roman als Ganzes? Ich habe keine Ahnung, wie ich das verkaufen soll.'"

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Aktuelles
  • Poesie und Sprechblase

    Das Leitmotiv des diesjährigen Internationalen Lyriktreffens Münster ist "Poesie und Sprechblase". Damit wendet sich das Festival einem Phänomen zu, das unsere Gegenwart zunehmend prägt: der Omnipräsenz von Floskeln, Phrasen, Formeln. Schwindelerregend laut, algorithmisch kuratiert, kaum zu ignorieren. U.a. mit Ursula Krechel, Oksana Maksymchuk, James Noël, Abdalrahman Alqalaq und Monika Rinck.

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  • Arbeitsstipendien des Fritz-Hüser-Instituts

    Das Dortmunder Fritz-Hüser-Institut für Literatur und Kultur der Arbeitswelt vergibt in diesem Jahr zwei Arbeitsstipendien für Autor:innen, dotiert mit jeweils 4.000 Euro. Gefördert wird die Fortführung/Vollendung deutschsprachiger Werke. Kriterien für die Vergabe eines Stipendiums sind u.a. eine Auseinandersetzung mit Phänomenen der Arbeitswelt.

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  • Kulturbüro fördert Podcasts von Dortmunder Autor:innen

    Literatur-Podcasts sind beliebt und haben eine große Hörer:innenschaft. Das Kulturbüro fördert Dortmunder Autor:innen, die ihre Texte hörbar machen wollen. Anträge können noch bis zum 20. Juni gestellt werden. Die Förderung richtet sich an alle, die im Literaturbetrieb aktiv sind. Es sollen mindestens vier Episoden produziert werden.

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  • Droste Welten eröffnen

    Dieses Jahr eröffnen die Droste Welten auf der Burg Hülshoff in Havixbeck und im Rüschhaus in Münster-Nienberge. Das Ausstellungsensemble erschließt die Lebens- und Schreibwelten der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848) an zwei historischen Originalorten neu. Erstmals steht damit in Deutschland eine Schriftstellerin im Zentrum einer dauerhaft angelegten, umfassenden Ausstellung.

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