Literaturtipp


Berührung
Agenda Verlag, Münster 2025Renate Klockenhoffs Debütroman "Berührung" zeigt zwei weibliche Hauptfiguren verschiedener Generationen, die aufeinander zugehen.
Während die 1900 geborene und zu Beginn des Romans fünfjährige Katharina durch die Schulzeit, zwei Weltkriege und Heirat älter wird, bewegt sich Hanna schrittweise in ihre eigene Vergangenheit.
Katharina stammt aus einer armen Weberfamilie, die im Rheinland und in der Eifel nach Arbeit suchend umherzieht und nach dem ersten Weltkrieg, als junge Frau ins Ruhrgebiet kommt. Hanna, eine Frau Mitte 40, beginnt im Jahr 2000 ihr Leben zu reflektieren, als sie nach einer gescheiterten Beziehung mit ihrem Sohn ins Ruhrgebiet zieht, um sich dort eine neue persönliche und berufliche Perspektive aufzubauen. Die Grenzen, die Katharina aufgrund ihrer sozialen Herkunft immer wieder aufgezeigt werden, kommentiert sie überwiegend durch Schweigen. In ihrer Kindheit und Jugend ist sie innerlich geprägt von Hoffnung, später von Angst und Misstrauen, aber gleichzeitig von dem Wunsch nach Liebe und Geborgenheit. Auch Hanna geht in ihrer Kindheit und Jugend überwiegend schweigsam mit ihren Erfahrungen um. Sie erlebt Ausgrenzungen, für sie nicht sichtbare soziale Schranken und familiäre Konflikte, die das Leben beschwerlich machen. Das Studium zeigt ihr neue Denkmöglichkeiten auf, die ihrem Leben Richtung und später Stabilität verleihen.
Beide Figuren, obwohl zu Beginn über fast hundert Jahre getrennt, berühren sich über die Grenzen der Zeit hinweg.



