Literaturtipp

Josef Krug

Fadenschein

Josef Krug: Fadenschein, Bielefeld: Aisthesis Verlag 2021.

Wenn er den Anzug anhatte, musste er achtgeben, dass er mit der Welt nicht zu sehr in Berührung kam - bereits als Kommunionkind fängt sich Robert Benrath einen Kleider-Tick ein, der ihn zunehmend in Miseren und teils tragikomische Verwicklungen führt. Das gilt für seine Schulzeit ebenso wie für seine Zeit bei der Bundeswehr und später an der Uni, wo er in den Verkleidungen der Jugend- und Protestbewegung versucht, seine Vorstellungen von Freiheit zu verwirklichen und erotische Sehnsüchte zu stillen. Der Roman "Fadenschein" zeichnet sich durch genaue Beobachtung, sensible Personengestaltung und eine präzise Handlungsführung aus. Der Autor benennt gesellschaftspolitische Positionen, drängt sich aber nicht auf. Er verzichtet auf alles Plakative und Anheischige, beschreibt, statt zu interpretieren. Entstanden ist ein Text mit vielen starken Szenen, in denen - neben allen grauen Welten und Jammertälern - auch der Humor nicht zu kurz kommt. Er gewährt Einblicke in eine Zeit, die, so naiv ihre Gedankenwelt auch gewesen sein mag, unsere Gegenwart mitgeprägt hat.

www.aisthesis.de

Josef Krug, geb. 1950 in Bad Brückenau/Ufr.; Studium der Soziologie und Politik; lebt in Dortmund. Arbeitete u.a. als Sozialarbeiter, Lehrer für Auszubildende des Bergbaus, Projektentwickler in einer interkulturellen Begegnungsstätte. Mitglied im Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS) und in der Europäischen Autorenvereinigung DIE KOGGE. Schreibt Lyrik, erzählende Prosa, Essays und Kritiken. Auszeichnungen u.a.: Vera-Piller-Poesie-Preis, Zürich 1987; Preisträger der Liselotte und Walter-Rauner-Stiftung zur Förderung der Lyrik in NRW, Bochum 1999; 2. Preis in der Sparte Erzählungen im Literaturwettbewerb "Nationalität? Vielfalt...", Bonn 2019.

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