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Die Zechen schließen, die Erinnerungen bleiben


Ausstellung "Kindheit im Kohlenpott" im Museum für Westfälische Literatur

Fotografie trifft Literatur. Mit der Ausstellung Kindheit im Kohlenpott widmet sich das Museum für Westfälische Literatur in Oelde dem Werk von Erich Grisar (1898-1955). Bis zum 22. Juli kann man sich davon überzeugen, dass der Autor, versierte Journalist und sozial engagierte Fotograf zu Unrecht so lange auf seine Widerentdeckung warten musste.

Mit der Schließung der letzten Zeche Prosper-Haniel in Bottrop endet 2018 die Geschichte des Steinkohle-Bergbaus im Ruhrgebiet. Die historische Bedeutung dieses Ereignisses lässt sich schon allein daran ablesen, wie viele Ausstellungen über die Entwicklung des Ruhrgebiets und dessen Schwerindustrie es derzeit zu besuchen gibt. Dabei darf ein Name auf keinen Fall fehlen: Erich Grisar.

Der 1898 in einer Dortmunder Zechensiedlung geborene Grisar kann als Chronist des Ruhrgebiets betrachtet werden. Sein Schreiben reicht von "hochambitionierter expressionistischer Lyrik" (Walter Gödden) über nüchterne Reportagen bis hin zum pathetischen Agitprop, behielt bei aller Wandelbarkeit aber stets das Ruhrgebiet und dessen Bewohner im Auge. Die aktuelle Ausstellung im Museum für Westfälische Literatur reißt sämtliche Stationen seiner Vita an, gebraucht dazu aber keine langen Infotexte, sondern bündelt die wichtigsten Informationen aus Grisars Leben in Form einer Hörcollage, die Walter Gödden, der wissenschaftliche Leiter des Museums, zusammen mit dem Schauspieler Carsten Bender entwickelt hat. Sie ist alle 10 Minuten im Hauptraum zu hören.

Doch nicht nur den Ohren, vor allem den Augen wird etwas geboten. Erich Grisar war schließlich auch ein überaus produktiver Fotograf. Sein bildnerisches Schaffen gilt heute als Meilenstein der Fotografiegeschichte und wurde bereits 2016 mit publikumswirksamen Ausstellungen im Ruhrmuseum Essen und der Dortmunder Kulturzeche Zollern gewürdigt. "Grisars Fotografien ermöglichen einen authentischen Blick auf das Ruhrgebiet. Er wählt nie abstrakte Motive, immer steht der Mensch im Vordergrund und er blickt ihm ins Gesicht", sagt Gödden. Grisars Schwarz-Weiß-Aufnahmen porträtieren das Leben einfacher Arbeiter und ihrer Familien und erreichen dabei eine verblüffende Nähe. Sie erweisen sich als geschickte Inszenierungen, die Menschen in privaten Situationen, zufälligen Bewegungen und überraschenden Emotionen einfangen und dabei immer etwas mehr darzustellen scheinen als das schlichte Motiv. Auch in seinen Fotos scheint der Autor eine Geschichte erzählen zu wollen - und wir alle sehen gespannt zu.

Die von der Literaturkommission für Westfalen entwickelte und von Jeremias Vondrlik gestaltete Ausstellung im Haupt- und Gartenhaus des Museums führt literarische Texte und Fotografien zusammen.

Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit dem Fritz-Hüser-Institut, Dortmund, und dem Stadtarchiv Dortmund.

Ausstellungszeitraum: SO 13.05.2018 - 22.07.2018

Weitere Informationen: Tel. 02529 / 94 55 90 und www.kulturgut-nottbeck.de


Pressemitteilung Kulturgut Haus Nottbeck, 14.06.2018