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01.11.2020 - Oelde-Stromberg

Aufgerollte Reise

  • Ferdinand Kriwet

  • Aufbau der Ausstellung



Eine Ausstellung über Schriftsteller & Mixed Media Künstler Ferdinand Kriwet

+++Die Ausstellung im Literaturmuseum und im Gartenhaus ist aufgrund der beschlossenen Einschränkungen des öffentlichen Lebens zum Schutz vor dem Corona-Virus ab dem 2. November bis Ende des Monats für Besucher*innen geschlossen. Die Installationen mit großformatigen Arbeiten Kriwets sowie die Audio-Inseln mit seinen "Hörtexten" im Museumspark sind jedoch weiterhin zugänglich.+++

"Auch wende ich mich entschieden gegen die Institutionalisierung des Buches als der einzig rechtmäßigen Heimstatt von Poesie" (Kriwet, 1965)

Das Museum für Westfälische Literatur - Kulturgut Haus Nottbeck in Oelde folgt diesem Diktum und gibt in der ersten Einzelausstellung nach Ferdinand Kriwets Tod im Dezember 2018 einen Überblick über sein literarisches Werk, das die klassischen Gattungen von Literatur, Kunst, Theater, Film und Musik sprengt. Sie zeigt vom 01.11.2020 bis 14.03.2021 zum einen alle Publikationen des 1942 in Düsseldorf geborenen Autors, von seinem im Alter von 19 Jahren bei DuMont in Köln veröffentlichten ROTOR bis zum letzten Buch RUM WIE NUM, posthum im Verlag Tino Graß erschienen. Zum anderen eröffnen großformatige Textarbeiten im Außenbereich des Kulturguts, audiovisuelle Arbeiten sowie eine Auswahl weiterer Werke einen Einblick in die Vielfalt von Kriwets Schaffen.

Aufgerollte Reise zitiert den Titel der "Rundscheibe IV". Die Serie der zwischen 1961 und 1963 entstandenen, handgestempelten Rundscheiben ist ein Hauptwerk Kriwets, an der Schnittstelle von Literatur und bildender Kunst, schon kurz nach ihrem Entstehen und bis heute international in zahlreichen Ausstellungen und Anthologien zur Visuellen und Konkreten Poesie präsent. Diese "Sehtexte" - ein von Kriwet im Gegensatz zu "Hörtexten" geprägter Begriff - sind offene, kreisförmig angelegte Texte von circa 60cm Durchmesser. Jeder ist anders aufgebaut, wahrzunehmen im Spannungsfeld zwischen plakativem Lesen und Entziffern. Das Hauptmotiv der "aufgerollten Reise" basiert auf Städtenamen der Strecken von Mannheim nach Ulm, nicht in bloßer Aufzählung, sondern ohne Leerstellen bruchlos ineinandergefügt und komponiert. In der Ausstellung ist die 1970 herausgegebene Edition von 10 Sehtexten zu sehen.

Ferdinand Kriwet (1942-2018) war ein Pionier der Medienkunst. Seine Arbeiten für das Radio, viele davon vom WDR (mit-)produziert, sind zentrale, einflussreiche Werke der Originalton-Collage. Aus den Bild-, Film- und Tondokumenten der amerikanischen medialen Berichterstattung über die Mondlandung 1969, die Kriwet in New York zusammentrug, entstanden der Hörtext und das Buch Apollo Amerika sowie der Film Apollovision. Ein weiteres mediales Großereignis, mit dem Kriwet sich ebenfalls in Amerika beschäftigte, war der US-Wahlkampf 1972: "Campaign".

1967 erhielt Kriwet den Förderpreis für Bildende Kunst des Landes Nordrhein-Westfalen, 1972 den Förderpreis für Literatur der Landeshauptstadt Düsseldorf und 1975 den Karl-Sczuka-Preis des Südwestfunks für den Hörtext Radio-Ball. Mitte der 1970er Jahre zog er sich für längere Zeit zurück, lebte 14 Jahre in der Eifel und sieben Jahre in Ostfriesland. Die Gestaltung des Landeswappens NRW für den Landtag in Düsseldorf 1988 war Kriwets letzte größere architekturbezogene Auftragsarbeit, bevor er ab 2004, dann in Dresden lebend, wieder in Ausstellungen vertreten war und neue Werkgruppen schuf. 2011 widmete ihm die Kunsthalle Düsseldorf unter dem Titel "Yester'n'Today" eine umfangreiche Retrospektive.

Die Präsentation im Haus Nottbeck ist Teil eines zweiteiligen Ausstellungsprojekts in Kooperation mit dem Heinrich-Heine-Institut Düsseldorf. Die dortige Ausstellung ab März 2021 untersucht Kriwets Wirken im Kontext der Düsseldorfer Szene in den 1960er und 1970er Jahren.

Im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung auf dem Kulturgut Haus Notttbeck wird Kriwets Film "Campaign. Wahlkampf in den USA" gezeigt. Anschließend liest der Schauspieler Andreas Ladwig ausgewählte Texte aus dem Lesebuch "Ferdinand Kriwet", das zur Ausstellung in der Reihe "Nylands Kleine Westfälische Bibliothek" erscheint. Walter Gödden (LWL-Literaturkommission für Westfalen / Leiter Museum für westfälische Literatur) übernimmt die Begrüßung. Zur Einführung in Kriwets Werk spricht Bettina Brach, Inhaberin des Nachlasses und Kuratorin aus Bremen.


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Weiteres:
  • Die Installationen mit großformatigen Arbeiten Kriwets sowie die Audio-Inseln mit seinen "Hörtexten" im Museumspark sind weiterhin zugänglich.
  • Die Ausstellung hat eine Laufzeit von 01.11.2020 bis 14.03.2021.
  • Aufgrund der aktuellen Corona-Schutzbestimmungen ist die Teilnehmerzahl für die Eröffnungsveranstaltung begrenzt. Interessent*innen werden daher gebeten, sich im Museumsbüro anzumelden. Die Ausstellung ist für Besucher*innen am Sonntag, 01.11., von 11 bis 18 Uhr geöffnet.
  • Ein Projekt der LWL-Literaturkommission für Westfalen, des Museums für Westfälische Literatur - Kulturgut Haus Nottbeck und des Heinrich-Heine-Instituts Düsseldorf
  • Gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, der Kunststiftung NRW und der Nyland-Stiftung, Köln
  • Ausstellungsgestaltung: Jeremias H. Vondrlik in Kooperation mit Bettina Brach
  • Kriwets künstlerisches Werk wird von der Galerie BQ, Berlin, vertreten.