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18.03.2020 - Dortmund

Die Juden sollt ihr nicht grüßen



Bebilderter Vortrag zur "Woche der Brüderlichkeit"

Christen dürften die "Juden nicht grüßen", befand der christliche Kirchenvater Johannes Chrysostomos (deutsch: "Goldmund"); denn sie hätten "Christus getötet". Der fast 2000 Jahre alte Christliche Antisemitismus wurde zu einer Wurzel des Holocaust. Gern griffen die Nationalsozialisten kirchliche Vorwürfe gegen die Juden auf, um das deutsche Volk auf die so genannte "Endlösung der Judenfrage" einzustimmen.

Heute kann der Christliche Antisemitismus von einst zwar als überwunden gelten. Christen und Juden stehen zusammen auf gegen Hassausbrüche wie 2019 nach dem Angriff auf die Synagoge in Halle. Doch es war ein mühsamer Weg zu Verständigung und Gemeinsamkeit. Und noch immer gibt es Irritationen im gegenseitigen Verhältnis; zum Beispiel durch die Wiederkehr der antijüdischen Karfreitagsliturgie auf katholischer und judenmissionarische Gruppen auf evangelischer Seite.

Peter Hertel (*1937), Journalist und Buchautor, hat sich in seinen Publikationen mehrfach mit dem Christlichen Antisemitismus beschäftigt - so in seinen Büchern Die Juden von Ronnenberg (2016) und Vor unsrer Haustür. Eine Kindheit im NS-Staat - früh erlebt, spät erkundet (2018). Darin bringt er auch die Schicksale jüdischer NS-Opfer ans Licht, deren Spuren nach 1945 in der christlich geprägten Gesellschaft verwehten. Sie waren nach dem Beginn des NS-Regimes aus ihrer Heimat geflüchtet: nämlich aus seinem Wohnort Ronnenberg bei Hannover und aus seinem Geburtsort Bockum-Hövel. Dort, seit 1975 ein Stadtbezirk von Hamm, wurden 2009 und 2013 drei Stolpersteine für dem Naziterror entkommene katholische und evangelische Geistliche verlegt, aber bisher kein einziger für die sieben in der Schoah ermordeten Jüdinnen und Juden.



Weiteres:

In Kooperation mit der Gesellschaft  für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (GCJZ), Minden; der Ev. Erwachsenenbildung Minden und der Volkshochschule Minden-Bad Oeynhausen (VHS)