Viele Stimmen.
Eine Region.

09.05.2021

"Die Sprache Europas ist die Übersetzung."

festival regional. international.
  • Blick über den Inowroclaw-Platz zum Dt. Märchen- und Wesersagenmuseum

  • Ingo Herzke

  • Karen Nölle

  • Peter Torberg

  • Larissa Bender

  • Clemens Meyer

  • Katy Derbyshire

  • Elina Kritzokat



Veranstaltung im Rahmen von europa:westfalen - literaturfestival [lila we:] 2021

+++Die Veranstaltung wird verschoben.+++

Die wichtigste Bedingung für eine zukünftige friedliche Weiterentwicklung nicht nur der europäischen Zivilisation ist das nie aufhörende Gespräch aller beteiligten Akteure auf bürgerschaftlicher, kultureller, politischer und wirtschaftlicher Ebene. Dieser Dialog muss in Anerkennung der bestehenden Vielheit und Vielfalt der unterschiedlichen Länder und Nationen geschehen. Ohne den ständigen Versuch, den anderen zu verstehen, kann es auf Dauer kein Miteinander geben. "Geistige Vielsprachigkeit besteht im Versuch zu verstehen, wie andere Kulturen denken", sagte der italienische Intellektuelle Umberto Eco 2013 in einem Gespräch mit dem deutschen Philosophie Magazin. Damit aber ein so bedeutendes gemeinsames und sich gegenseitig respektierendes Gespräch gelingen und auf Dauer geführt werden kann, bedarf es der ständigen Übersetzung. In einem Vortrag vertrat Umberto Eco deswegen bereits 1993 die Meinung, dass "die Sprache Europas […] die Übersetzung" sei ("La lingua dell’Europa è la traduzione.").

Dieser Satz von Umberto Eco soll aus eben diesen Gründen dem Europatag der Europäischen Union eine Überschrift verleihen. Einem Tag, der sich von vormittags bis abends ausschließlich der so wichtigen literarischen Übersetzung sowohl als eigenständige Form der künstlerischen Produktion als auch als wichtigstes Medium der Kulturvermittlung und der gegenseitigen kulturellen Wahrnehmung sowie des gegenseitigen Verständnisses unter den Menschen Europas widmet.

In einer Kooperation zwischen dem Verein AGORA - Gesellschaft für Literatur, Kunst und Kultur e.V. aus Bad Oeynhausen, dem in Bad Oeynhausen und Löhne beheimateten Internationalen Literaturfest Poetische Quellen und der Übersetzervereinigung Weltlesebühne e.V., der von Übersetzer*innen aus Berlin, Frankfurt, Freiburg, Hamburg, Köln und Zürich gegründet wurde, werden an diesem "Europa-Tag der Übersetzer*innen" unterschiedliche und vielfältige Veranstaltungsformate präsentiert, die - oftmals zusammen mit dem Publikum - Einblicke in die spannende Arbeit des weiten Feldes der Übersetzung zwischen den Sprachen und Kulturen geben sollen.

PROGRAMM
Das Programmheft kann hier heruntergeladen werden.

10:00 Uhr - 10:15 Uhr
Theater im Park, Kurpark von Bad Oeynhausen
Begrüßung
Martina Kempter (Vorstandsvorsitzende, Weltlesebühne e.V.) und Michael Scholz (Künstlerischer Leiter, Internationales Literaturfest "Poetische Quellen" & Vorsitzender, AGORA - Gesellschaft für Literatur, Kunst und Kultur e.V.) begrüßen das Publikum und führen in das bunte Programm des Tages ein.

10:15 Uhr - 11:15 Uhr
Der gläserne Übersetzer
Übersetzen zum Zuschauen! Der Hamburger Literaturübersetzer Ingo Herzke arbeitet live vor dem Publikum an seiner aktuellen Übersetzung von Joshua Cohens Roman "The Netanyahus", der im Schöffling Verlag erscheinen wird. Original und Übersetzung werden auf eine Leinwand gebeamt, die Zuschauer*innen können Wort für Wort den Übersetzungsprozess verfolgen, alle Fragen stellen, die ihnen einfallen, und eigene Übersetzungsvorschläge machen. Hier zeigt sich, dass Übersetzen immer bedeutet, Entscheidungen zu treffen und wie individuell diese ausfallen können.

11:30 Uhr - 12:00 Uhr
Literaturzelt auf dem Inowroclaw-Platz
Quasi dasselbe mit anderen Worten
Die Übersetzerinnen Karen Nölle und Annette Kopetzki sprechen über grundlegende Aspekte der Übersetzung und des Übersetzens: Was ist eigentlich eine Übersetzung? Ihre Definitionen reichen von der "unendlichen Aufgabe" über das "Paradox" und den "Verrat" bis zum "Weiterleben" und der "Bereicherung" des Originals. Wie sieht die Übersetzungsarbeit aus, welches sind ihre künstlerischen, welches ihre handwerklichen Aspekte? Kann man Übersetzen lernen? Was brauchen Übersetzer*innen für ihre Arbeit? Wie sieht der Weg einer Übersetzung von einer Kultur in eine andere aus? Geht bei der Übersetzung etwas verloren, wird etwas gewonnen? Welche Rolle spielen Übersetzungen im Dialog der Kulturen? Ein einführendes Gespräch über die Schwierigkeiten der Verständigung und des Verstehens zwischen unterschiedlichen Sprachen sowie über die außerordentliche Bedeutung der Sprache beim Austausch zwischen den Kulturen.

12:30 Uhr - 14:00 Uhr
Übersetzen mit Akzent
Es ist ein Phänomen der Migrationsgesellschaft: María Cecilia Barbetta, Abbas Khider, Nino Haratischwili, Autor*innen also mit spanischer, arabischer oder georgischer Muttersprache, schreiben erfolgreich Romane auf Deutsch und gehören längst zum Kanon der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Bei den Übersetzer*innen von Literatur gilt solch ein Sprachwechsel - das Übersetzen in eine Sprache, die nicht die Muttersprache ist - immer noch als Tabubruch. Alida Bremer und Eva Profousová können ein Lied davon singen, sie mussten sich ihre Daseinsberechtigung als deutsche Übersetzerinnen kroatischer bzw. tschechischer Literaturen erst erkämpfen. Ihre Arbeit zeigt eindrucksvoll, wie produktiv das "Übersetzen mit Akzent" sein kann, welches Potenzial und welche Vielfalt die deutsche Sprache als Material bereithält. Moderation: Dorota Stroinska

15:00 Uhr - 16:00 Uhr
Translation-Slam
Theater im Park, Kurpark von Bad Oeynhausen
Wer den Poetry-Slam kennt, wird ganz bestimmt auch den "Translation-Slam", also den Übersetzungs-Slam, mögen. Einfallsreichtum, Improvisationstalent und die Beherrschung unterschiedlicher Register des Deutschen sind der Motor des Übersetzens. Schauen Sie der Literaturübersetzerin Karin Betz und den Literaturübersetzern Andreas Jandl und Peter Torberg zu, die spontan Übersetzungsaufgaben lösen. Markante Sätze aus der Literatur, Liedzeilen, Filmtitel und Sprichwörter erscheinen auf der Leinwand und sollen nicht nur ins Deutsche übertragen werden - manchmal auch in andere Stilebenen! Wie klingt ein Satz aus dem 18. Jahrhundert im Jugend-Slang von heute? Wie, wenn er in einem Genre-Roman (Horror, Science-Fiction, Frauenliteratur) steht? Es gibt keine richtigen Lösungen, nur Entscheidungen - machen Sie mit! Moderation: Annette Kopetzki

16:30 Uhr - 18:00 Uhr
Literaturzelt auf dem Inowroclaw-Platz
Sprengstoff Sprache und Literatur. Zum Übersetzen in vermintem Gelände
Literarische Übersetzer*innen gelten gemeinhin als Boten des Dialogs zwischen Sprachen und Kulturen, sie verstehen ihre Arbeit als Form der Vermittlung, ja, auch der Gastfreundlichkeit, sie sind Anwält*innen ihrer Autor*innen. Wie viel Politik und Konfliktstoff, wie viel persönliche Haltung kommt dabei ins Spiel, wenn man es mit literarischen Zeugnissen aus der dunklen Welt der Kriege, der Gewalt, der Propaganda und der "alternativen Fakten" zu tun hat? Dorota Stroinska spricht mit Larissa Bender, Olga Radetzkaja und Michael Kegler über den Umgang mit diktatorischen Regimen, ideologisierter Kulturpolitik, enthumanisierter Sprache, politischem Druck und dem eigenen Berufsethos.

19:00 Uhr - 20:30 Uhr
Abschlussveranstaltung: "IM STEINbruch der Übersetzung"
Clemens Meyer, ausgezeichnet mit dem Preis der Leipziger Buchmesse und jüngst mit dem Klopstock-Preis für Literatur, im Gespräch mit seinen Übersetzerinnen Roberta Gado (Italienisch) und Katy Derbyshire (Englisch). Im Mittelpunkt steht Meyers Roman "Im Stein" (S. Fischer Verlag, 2013). Die englische Fassung mit dem Titel "Bricks and Mortar" (Fitzcarraldo Editions, 2016) erhielt einen PEN-Award und stand 2017 auf der Longlist des Man Booker International Prize. Die italienische Übersetzung von Roberta Gado und Riccardo Cravero mit dem geplanten Titel "Eden City" soll im Frühjahr 2021 erscheinen. Davor hatten beide Übersetzer*innen bereits Meyers Roman "Als wir träumten" ("Eravamo dei grandissimi", Keller, 2016) und seinen Erzählband "Die stillen Trabanten" ("Il silenzio dei satelliti", Keller, 2019) ins Italienische übersetzt. Roberta Gado und Katy Derbyshire werden sich über ihre Übersetzungsstrategien austauschen und das Publikum kann sich davon selbst ein Bild machen, denn Clemens Meyer, Roberta Gado und Katy Derbyshire lesen auch je eine Passage aus dem Roman "Im Stein" auf Deutsch, Italienisch und Englisch.

DIE JUNGE WELTLESEBÜHNE: KINDERPROGRAMM

11:00 Uhr - ca. 12:00 Uhr
Deutsches Märchen- und Wesersagenmuseum am Inwroclaw-Platz
Ella und der falsche Zauberer (geeignet für Kinder aus den Klassen 2-4)
Die finnisch-deutsche Doppelstaatsbürgerin Elina Kritzokat dolmetscht seit ihrer Kindheit und übersetzt seit 20 Jahren aus dem Finnischen ins Deutsche. Wichtig sind ihr Frische, Lebendigkeit und der unverwechselbare Ton von Texten. Zu den von ihr übersetzten Kinder- und Jugendbuchautor*innen zählt auch Timo Parvela mit seiner "Ella"-Reihe. In seinem Kinderbuch "Ella und der falsche Zauberer" machen sich Ella und ihre Freunde auf, um eine neue Schule zu suchen. Sie haben es mächtig satt, jeden August aufs Neue in die zweite Klasse zu kommen, und den Vorschlag des Direktors, nach diesen Sommerferien in die zweieinhalbte Klasse aufzusteigen, finden sie empörend. Also kehren sie den Erwachsenen und der Schule den Rücken und brechen auf in eine tollere Zukunft. Doch unterwegs geht da einiges schief und sie begegnen sogar einem Dieb, der sich als Zauberer ausgibt! In diesem 2018 im Münchner Carl Hanser Verlag erschienenen illustrierten Kinderbuch geht es um den Schulalltag, um Freundschaft und darum, wie man gewitzt Probleme lösen kann. Bei der Beschäftigung mit dem Buch bringt Elina Kritzokat die Kinder dazu, sich im Gespräch über die Verwendung von Sprache und dabei natürlich über das Übersetzen von einer Sprache in eine andere Gedanken zu machen. Dabei geht es um Namen, Redewendungen und Humor sowie über das Schreiben.

15:00 Uhr - ca. 16:15 Uhr
Ist das ein Passfoto? (geeignet für Kinder aus den Klassen 4-6)
In dem Buch Ist das ein Passfoto der libanesischen Autorin Nadine Touma reihen sich tiefgründige Fragen, philosophische Reflexionen, laut ausgesprochene Gedanken aneinander. Sind Wolken die Ohren des Himmels? Sind Farben die Gefühle der Menschen? Gibt es auf jede Frage eine Antwort? Fragen, die weitere Fragen hervorlocken und zum Grübeln anregen. Antworten werden nicht gegeben, so dass die Kinder ihre eigenen Schlüsse ziehen. Zentraler Bestandteil des Buches sind die Illustrationen des libanesischen Künstlers Areej Mahmoud, die an die Wand projiziert werden. Bei der Vorstellung des Buches bezieht Leila Chammaa das junge Publikum aktiv in das Geschehen ein. Die Kinder sind angehalten, sich anhand der Bilder den Text zu erschließen, ihre Assoziationen zum Inhalt mitzuteilen und sich über eigene Erfahrungen mit anderen Sprachen und dem Übersetzen auszutauschen. Die Übersetzung des Buches entstand im Rahmen des Kinderprogramms des Internationalen Literaturfestivals Berlin 2009 und hat bisher noch keinen deutschen Verlag gefunden.

Eine Veranstaltung im Rahmen von europa:westfalen - literaturfestival [lila we:] 2021, gefördert durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, die LWL-Kulturstiftung und den Landschaftsverband Westfalen-Lippe.



Weiteres:
  • Die Anzahl der Plätze ist begrenzt.
  • Bitte informieren Sie sich vor dem Besuch der Veranstaltungen über mögliche Änderungen und geltende Auflagen.