Viele Stimmen.
Eine Region.

15.06.2019 - Detmold

Ich will in das Grenzenlose zu mir zurück

  • Maren Kroymann

  • Sonja Beißwenger

  • Stift Fischbeck

  • Anne Kohler

  • Walter Kreye



Eine Veranstaltung von "Wege durch das Land 2019"

Im Jahr 1904 besuchte der letzte deutsche Kaiser Wilhelm II. das Stift Fischbeck, dessen Restauration er teilweise aus seinem Privatvermögen finanziert hatte. Bis heute ziert ein Reichsadler zu seinen Ehren die Holzdecke der Stiftskirche. Ausgehend von diesem Besuch beschäftigt sich Wege durch das Land mit der Jahrhundertwende und ihren künstlerischen Aufbrüchen. In der Dichtung stehen die Zeichen auf Erneuerung: Literarische Manifeste erscheinen zuhauf und spiegeln die Vorstellungen von der "Poesie des neuen Menschen". Im Zentrum steht die Suche nach der "Dichtung der Vollendung", die die neue Welt in sich trägt, wie es in einem literarischen Manifest des Dichters Julius Hart zu lesen ist. Besonders brodeln diese Bestrebungen in Berlin. Dort leben Künstler und Literaten wie die Brüder Heinrich und Julius Hart, Gottfried Benn, Rudolf Steiner, Gerhart Hauptmann - und Else Lasker-Schüler, die als Teil der Berliner Bohème in den literarischen Zirkeln Berlins als erste Frau ihre Gedichte vorträgt. Die deutsch-jüdische Dichterin wird schnell berühmt mit ihrer Lyrik, die schon um die Jahrhundertwende Elemente des Expressionismus vorwegnimmt.

Musikalisch gesehen zeichnet sich die Jahrhundertwende durch diverse nebeneinander existierende Strömungen aus. Ähnlich wie in der Malerei, wo sich das Figürliche auflöst und abstrakte Strukturen formbildend werden, stellen Komponisten in der Musik die Tonalität in Frage. So stellt Schönbergs Opus 13, "Friede auf Erden", noch die letzte Komposition seiner tonalen Phase dar, die den Aufbruch in die Atonalität vorbereitet, während in der Textvorlage von Conrad Ferdinand Meyer das für den modernen Menschen brüchig gewordene Ideal göttlichen und weltlichen Friedens zur schmerzhaft unrealistischen Vision verkümmert. Hanns Eisler wiederum bricht mit der Tradition, indem er das typisch romantische Chorlied des 19. Jahrhunderts ironisch karikiert und die Nöte der neu entstandenen Arbeiterklasse drastisch formuliert.

In einer musikalischen Lesung stellen Maren Kroymann, Sonja Beißwenger und Walter Kreye und der vielfach ausgezeichnete Kammerchor der Hochschule für Musik Detmold, unter der Leitung von Anne Kohler, diese künstlerischen Aufbrüche der Jahrhundertwende vor. Eine Autorin, die in unserer Zeit für Aufbruchsstimmung einsteht, ist Marica Bodrozic. Erst mit zehn Jahren zog sie von Kroatien nach Deutschland und entwickelte ihre "zweite Muttersprache" später zu ihrer Literatursprache. Für "Wege durch das Land" und NDR Kultur schreibt sie eine Auftragsarbeit mit dem Titel Ein Aufbruch ist ein Umbruch im Geist.



Weiteres:
  • Die Veranstaltung findet auch am 16. Juni 2019 um 13 Uhr statt.
  • Ermäßigungen (Kategorie A 10 / B 8 / C 6 €) erhalten Schülerinnen und Schüler, Studierende bis 26 Jahre, Auszubildende, Erwerbslose und Schwerbehinderte (ab 60 %). Für die Reservierung wird ein entsprechenden Nachweis benötigt.
  • Informationen zu Tickets erhalten Sie über 05231-30 80210 oder www.wege-durch-das-land.de.