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24.09.2021 - Dortmund

Schreiben als Arbeit: Arno Schmidts "Zettel’s Traum"



Wissenschaftliches Symposium

Als Arno Schmidts "Zettel‘s Traum" 1970 erschien, war es ein Skandal und ein Erfolg. Die einen feierten seine Experimentierfreude, die anderen verteufelten seine geistige Freizügigkeit. Aber in einem war und ist man sich einig, bis heute: "Zettel‘s Traum" ist ein Dokument der deutschen Nachkriegskultur, Spiegel der intellektuellen Revolte der 1960er Jahre, das sich zu studieren lohnt. - Und es ist zugleich ein Buch über das Schreiben als Arbeit. Es umfasst 1334 dreispaltig mit Schreibmaschine geschriebene Seiten, ergänzt um Glossen und Streichungen. Es kombiniert Maschinen- und Handschrift, um auf diese Weise die Entstehung und die materialen Bedingungen der poetischen Produktion an der Oberfläche zu zeigen und in die Tiefe der literarischen Reflexion zu tragen. Dafür orientiert sich Schmidt an James Joyces "Ulysses" und "Finnegans Wake", am Expressionismus, der Psychoanalyse. In seinen radikalsten Passagen versucht "Zettels Traum" sich so weit in die Architektur des menschlichen Gehirns und der Seele zu schreiben, dass die Grenze zur Unlesbarkeit erreicht ist (was man Schmidt immer wieder vorgeworfen hat). Dabei versucht "Zettels Traum" nur zu zeigen, wie durchsetzt und gemischt "die Sprache" eigentlich ist, gekreuzt von zahlreichen Nationalsprachen, Assoziationen, Grammatiken, Zeichenregeln (und deren Verstößen), vom Sprechen und Schreiben.

Ziel des Symposiums ist, "Zettels Traum" im Kontext einer erweiterten literarischen Öffentlichkeit zu diskutieren, mit Vorträgen zu den allgemein historischen Umständen der Entstehungszeit, zu Schmidts Schreibprozessen und Poetik, einschließlich einer szenischen Lesung aus dem Werk.

Organisation: Dr. Iuditha Balint, Dr. Tobias Lachmann, Dr. Claas Morgenroth und Prof. Dr. Martin Stingelin

Eine Veranstaltung des Fritz-Hüser-Instituts für Literatur und Kultur der Arbeitswelt in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Neuere deutsche Literatur und Literaturtheorie seit dem 18. Jahrhundert der TU Dortmund.


Beginn: 24.09.2021
Ort:

Hochschuletage im Dortmunder U
Leonie-Reygers-Terrasse 44137 Dortmund

Veranstalter: Fritz-Hüser-Institut für Literatur und Kultur der Arbeitswelt
E-Mail: fhi@stadtdo.de
Web: www.fhi.dortmund.de

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