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27.06.2021 - Detmold

"Wohin?", sagte Pu. "Egal wohin", sagte Christopher Robin.

  • Bo Wiget

  • Lutz Rademacher

  • Teichhofschmiede



Wege durch das Land 2021

Im hügeligen Norden Herfords befindet sich, umgeben von Wald, Weideland und Fischteichen, die Teichhofschmiede. 1763 wurde der ursprüngliche Hof von der Familie Lübke erbaut und ist bis heute in Familienbesitz. Nachdem das Wohnhaus abgebrannt war, entstand 1907 der heutige Hof, der bis 1978 mit vielen Hektar Land, mit Viehhaltung, Ackerbau und großem Garten landwirtschaftlich genutzt wurde. Heute steht nur noch das denkmalgeschützte Wohnhaus mit Deele und einer Remise. Als 2014 der Hufschmied Ben Sigmund und die Grafikerin Frauke Sigmund den Hof übernahmen und restaurierten, wurde aus dem Lübkehof die Teichhofschmiede, die neben Grafikbüro und Schmiede auch eine Seifenmanufaktur beherbergt. Auf den Weiden leben heute Schafe, außerdem wurde eine Blaubeerplantage nach kontrolliert-biologischem Anbau angelegt.

An den verwunschenen Teichen, auf den Weiden und im angrenzenden Wald kann man sich zu den Schafen mühelos auch ein Ferkel, ein Kaninchen, einen Esel, eine Eule, eine Kängurumutter mit Kind und einen Bären von geringem Verstand vorstellen. A(lan) A(lexander) Milne, 1882 in London geboren, war Journalist und Theaterautor, bevor er als Erfinder von "Pu der Bär" Weltruhm erlangte. Die Geschichten um den hedonistischen Bären hatte Milne seinem Sohn Christopher abgelauscht, der seinen Stofftieren im Spiel unverwechselbare Persönlichkeiten einhauchte.

Pu, dieser Anti-Held mit der langen Leitung, hält jede Menge praktischer Lebensweisheiten und tiefe Einsichten in die menschliche Natur parat, wie zum Beispiel: "Niemand kann mit einem Ballon unaufgeheitert bleiben". Der deutsche Sprachraum kann sich glücklich schätzen, dass die Pu-Geschichten in Harry Rowohlt einen kongenialen Übersetzer gefunden haben, der Milnes Sprache in seiner Neuschöpfung funkeln lässt. Diese scheinbar holprigen Dichtungen des Bären, sein "Gesumm", haben teilweise dadaistische Qualitäten und dienen in diesem Programm als Inspiration für Kompositionen und Improvisationen mit Gesang und wechselndem Instrumentarium. Milnes Geschichten von Pu und seinen Freunden folgen einer kindlichen Logik, die sich erwachsenen (Vor-)Leserinnen und Lesern oft nicht unmittelbar erschließt. In der Deele der Teichhofschmiede, auf den Wiesen und im angrenzenden Wald werden Bo Wiget und Lutz Rademacher in ihrem literarisch-musikalischen Programm von den Abenteuern dieses besonderen Bären und der anderen Tiere des Hundertsechzig-Morgen-Waldes erzählen. Lutz Rademacher hat zwei Kinder, ist Generalmusikdirektor am Landestheater Detmold, großer Fan von I-Ah und hat Pu zwar erst als Erwachsener kennengelernt, ist ihm heute aber um so mehr verfallen. Bo Wiget spielt Cello, komponiert und singt gerne dadaistische Lieder. Und er trägt einen Namen, der genauso kurz ist wie der des Bären mit geringem Verstand, dessen Abenteuer samt Freundinnen und Freunden ihn seit seiner Kindheit treu begleiten.


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