Festivals vom literaturland westfalen

Das literaturland westfalen tritt auch mit eigenen Sonderveranstaltungen in Erscheinung. Den Beginn machte im Zeitraum 2012/13 ein umfangreiches Jahresfestival, mit dem das Netzwerk zum ersten Mal in die Öffentlichkeit trat. Im Herbst 2017 veranstalteten die Netzwerkmitglieder mit hier! festival. regional. international. dann zum ersten Mal ein gemeinsames Festival, das unter einem speziellen Thema stand. Der Titel wurde von den vielen beteiligten Partnern auf kreative Weise aufgegriffen und mit jeweils ganz eigenen Inhalten gefüllt. 2021 schaute das Netzwerk mit europa:westfalen - literaturfestival [lila we:] 2021 von Westfalen nach Europa und zeigte eindrucksvoll auf, dass Literatur auch einen wichtigen Beitrag zu gesellschaftlichen und politischen Debatten leisten kann. In Zukunft soll es noch weitere Festivals geben. Erste Ideen dafür werden derzeit vom Netzwerk entwickelt.

"Die Sprache Europas ist die Übersetzung" findet im Mai 2022 in Bad Oeynhausen statt.

Europäische Aktivitäten, Themen und Autor:innen standen im Zentrum des gemeinsamen Netzwerkfestivals europa:westfalen, in dessen Rahmen zahlreiche literarische Akteure 2021 mehr als 60 Veranstaltungen in Westfalen und Lippe organisierten. Mit Einzellesungen und literarischen Reihen, mit Buchpräsentationen, Diskussionen, Ausstellungen und Gesprächen beleuchteten eine Vielzahl literarischer Einrichtungen, Initiativen und engagierter Einzelakteure aus der ganzen Region das hochaktuelle Thema in all seinen Facetten.

Die zentrale Veranstaltung des Festivals, der Europa-Tag der Übersetzerinnen und Übersetzer mit einem Lesefest als Auftakt, konnte aufgrund der Pandemie 2021 nicht stattfinden und bildet nun am 06. und 07. Mai 2022 den Abschluss des Festivals. In Bad Oeynhausen wird mit einem umfangreichen Programm, das unter dem Umberto-Eco-Zitat "Die Sprache Europas ist die Übersetzung" steht, die literarische Übersetzung sowohl als eigenständige Form der künstlerischen Produktion als auch als wichtigstes kulturelles Mittel zur Wahrnehmung und zur Verständigung mit unseren Nachbarn beleuchtet. Geplant sind u.a. ein Übersetzer:innen-Slam oder Diskussionsrunden zu den Themen "Übersetzen mit Akzent" und "Sprengstoff Sprache und Literatur. Zum Übersetzen in vermintem Gelände".

Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk in Unna

Trotz aller Komplikationen, die die Coronapandemie im Festivaljahr verursachte, war der bereits dritte gemeinsame Veranstaltungsauftritt des Netzwerks ein voller Erfolg. Ursprünglich waren die Festivalveranstaltungen für den Zeitraum März bis Mai geplant. Als der Lockdown das öffentliche Leben größtenteils lahmlegte, mussten die Netzwerkpartner kreativ werden. So wurden Veranstaltungen in den Sommer und Herbst verschoben, digitalisiert oder es entstanden künstlerische Videos wie "Don Quijote reloaded" des Literaturbüros OWL, das Klangkomposition, Live-Musik und Lesekunst in einer Videoproduktion verbindet. Alle Veranstaltungsvideos, die noch bei YouTube verfügbar sind, sind in einer Playlist auf dem YouTube-Kanal vom literaturland westfalen zusammengefasst.

Regionale, nationale und internationale Autor:innen gaben im Festivalzeitraum Kostproben aus ihren aktuellen Romanen, Lyrikbänden und Sachbüchern zum Thema Europa, darunter Marica Bodrozic, Mathijs Deen, Zora del Buono, Melisa Erkurt, Frank Goosen, Erwin Grosche, Sandra Gugic, Joseph Hanimann, Wolf Harlander, Navid Kermani, Ulla Lachauer, Anja Liedtke, Jana Revedin und Norbert Scheuer.

Auf Einladung der Kreisstadt Unna, Bereich Kultur war die Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk zu Gast im vollen Saal des Tanzcenters kx kochtokrax. Im Gespräch mit Olga Mannheimer wandte die polnische Schriftstellerin sich aktuellen Debatten und Diskursen rund um das Thema Europa zu. Die Übersetzerin Maria Wolf las unter anderem aus der druckfrischen Übersetzung von Tokarczuks Essayband "Übungen im Fremdsein".

"Westfailure"-Performance von Burg Hülshoff - Center for Literature mit einer Überraschungs-Show der Drag Queens des House of [blænk]

Burg Hülshoff - Center for Literature veranstaltete unter dem Titel "Westfailure" gemeinsam mit dem Westfälischen Kunstverein einen Mix aus Talks und Performance, der sich auf die Suche nach Möglichkeiten einer post-westfälischen Welt begab. "Westphalia" ist außerhalb der Republik der Terminus für das politische System der nationalen Staaten und ihrer unverletzlichen Territorialität. Die Performance bestand aus einem Parcours zwischen Stadt und Land, der Grenzen thematisierte, überschritt, neu zog und anzweifelte.

Der Paderborner Lektora Verlag richtete neben einem mehrsprachigen europäischen Poetry Slam eine Podiumsdiskussion zur "Digitalen Literaturlandschaft Europas" aus unter anderem mit den Autor:innen und Veranstalter:innen Fabian Navarro, Ines Strohmaier und Heiner Remmert. Auf Einladung der Auslandsgesellschaft.de e.V. diskutierten im Rahmen der Online-Konferenz "Westfalen in Europa - Europa in Westfalen" Vertreter:innen der Zivilgesellschaft, der kommunalen Städtepartnerschaften, der Heimatvereine sowie des Netzwerks darüber, wie facettenreich das europäische Herz in Westfalen schlägt.

Ausstellung "Die Welt in der Tasche" auf dem Kulturgut Haus Nottbeck - Museum für Westfälische Literatur

Das Rumpelstilzchen Literaturprojekt aus Enger organisierte in Kooperation mit dem Gerbereimuseum zwei Kunst-Literatur-Ausstellungen. Autor:innen hatten sich für das Projekt von Bildern des Engeraner Künstlers Alexander Kapitanowski ("Europa und der Stier") und des Spenger Malers Thorsten Böckmann ("Ukraine - Ansichtssachen") inspirieren lassen, eigene Texte zu schreiben, die gemeinsam mit den Bildern ausgestellt und als Bücher publiziert wurden.

Die einzige europäische Landesgrenze teilt Westfalen sich mit den Niederlanden und so beschäftigten sich auch gleich mehrere Lesungen und Reihen mit Literatur und Literat:innen aus diesem Nachbarland, unter anderem ein mehrtägiges Programm des Verbands deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS) in NRW. Daneben begleiteten verschiedene Veranstaltungen westfälische Autor:innen auf Europareise, beispielsweise eine musikalisch-literarische Online-Veranstaltung zu den Reisegedichten Ernst Meisters und eine große Sonderausstellung des Kulturguts Haus Nottbeck - Museum für Westfälische Literatur unter dem Titel "Die Welt in der Tasche".

In Schwerte lud das Kulturbüro im KuWeBe zu einer "Dialoglesung mit klugen Sätzen von weisen alten Männern". Dr. Friedemann Spicker und Dr. Jürgen Wilbert vom Deutschen Aphorismus-Archiv Hattingen (DAphA) präsentierten Sätze voller Wucht, Leicht- und Tiefsinn. Mit "Der Aphorismus in Europa" gaben sie auch passend zum Festival ein neues Standardwerk heraus. Außerdem gab es eine Veranstaltungsreihe vom Literaturhaus Herne Ruhr zur kulturellen Vielfalt Europas, ein Europäisches Alphabet der Wünsche und vieles mehr.

Christoph Wenzel beim "Auswärtsspiel" in der NRW-Landesvertretung in Brüssel

Ein Highlight von europa:westfalen und ein weiterer rundum gelungener europäisch-westfälischer Abend war das "Auswärtsspiel" des literaturlands westfalen im Oktober in der Vertretung des Landes Nordrhein-Westfalen bei der Europäischen Union – eine Kooperation, die mittlerweile bereits Tradition hat. Das Netzwerk präsentierte in Brüssel vor einem ausgebuchten Saal einen Querschnitt dessen, was die Literaturszene Westfalens (unter anderem) so alles zu bieten hat. Kabarettist Fritz Eckenga erheiterte das Publikum mit Kostproben aus seinen aktuellen Büchern, während Lyriker Christoph Wenzel unter anderem über seine enge Verbindung zur niederländischen Lyrikszene sprach. Ernstere Töne schlug Bestsellerautorin Nina George an, die über ihren Einsatz für Autor:innen als Präsidentin des European Writers‘ Council berichtete. Für Musik sorgte Singer-Songwriterin Fee Badenius. Sympathisch moderiert wurde der Abend vom Kulturjournalisten Stefan Keim.

Weitere Festivals
  • Jahresfestival

    Mit dem Jahresfestival trat das literaturland westfalen 2012/13 mit einem umfangreichen Programm zum ersten Mal in die Öffentlichkeit.

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  • hier!-Festival

    Im Herbst 2017 veranstalteten die Netzwerkmitglieder zum ersten Mal ein gemeinsames Festival, das unter einem speziellen Thema stand.

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